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Menorah · 1931-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1931) · p. Seite 36

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1931)
Article
Von der neuen Baukunst
Date
1931-01-01
Page
Seite 36 (sequence 2)
Language
German
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36 MENORA II Sie meldet sich auch in jenen kleinen Gesellschaften kultivierter Menschen zum Wort, die den Gang der Entwicklungen vielleicht am reinsten registrieren. Denn empfindlich und vorsichtig, wie sie sind, nicht Träger des Umschwungs, ja im ersten Augenblick eher abgeneigt der Neuerung, bleiben sie dem triftigen Fortschritt doch am verläßlichsten auf der Spur. Das sind jene behutsam-sicheren Menschen, deren Umgang am meisten beglückt. Man könnte sie musikalisch nennen. Jedenfalls haben sie ein helles Gehör und das Leben ist in ihnen wie ein Sinn und eine Wärme. Auch ihre Gespräche wenden sich nun immer häufiger den Dingen der Baukunst zu. Man spricht von der neuen Wohnung eines Bekannten, von den kommunalen Bauten, von einer neuen Villa, von den neuen Bildern in den Darmstädter Zeitschriften, von einem Buch über die neue Architektur. Das Gespräch wird mit geistigem Takt geführt. Es ist immer einer da, der sich für das Verwegene einsetzt. Man hört ihn an, folgt gern und mitgenommen seinen Gedankengängen, dann aber . . . Es ist rein, um allen Mut zu verlieren. Selbst in diesen so verständigen und willigen Kreisen . . . welche Unschlüssigkeit, welche Irrtümer und Verwirrungen in den grundlegenden Gesichtspunkten! Da ist fürs erste die Wohnung, in der man sich zu Gast befindet. Selbstredend: das Möbel, das bis zum Kriege modern galt, die schwerfälligen Stücke, die den Raum verrammelten, die unnötig anspruchsvollen Büffets, die man, wenn es sich so traf, stundenlang ansehen mußte, bis man sie mit all ihren schönen Eigenschaften gründlich über hatte, also jene Prachtwerke des ,,Tischlermöbels", die sind erledigt, sind ganz merkwürdig schnell wer weiß wohin verschwunden. Auch wer das Geld nicht locker im Sacke hat, hat bei erster Gelegenheit den behäbigen Bücherschrank mitsamt seinem Aufsatz für Blumenvasen. Nippes und dergleichen mehr verabschiedet und das schlichte Bücher brett wieder in Ehren eingesetzt. Er könnte heute kaum mehr sagen, wie das gekommen war. Eines Tages war ihm die ganze Einrichtung, die er seinerzeit so sorgfältig gewählt und überaus solid und schön gefunden hatte, sehr selbstgefällig und eigensinnig erschienen. Sein Mißtrauen war erwacht. Es dauerte nicht lange und er stellte fest, daß jedes Stück im Verhältnis zu dem Dienst, für den es bestimmt war. übermäßig gemacht sei, vieles völlig unnütz. Ohne daß er es gemerkt hätte, war er von einem gefährlichen Atavismus, dem ,,Schönen" ~- genauer noch dem ,,Schmucken" — abgekommen und auf den Weg

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