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Menorah · 1931-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1931) · p. 35

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1931)
Article
Von der neuen Baukunst
Date
1931-01-01
Page
35 (sequence 1)
Language
German
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VON DER NEUEN BAUKUNST ie Sache der neuen Baukunst, für die wir nun seit Jahren schon J_ß auch hier — - vom besonderen Interessenpunkt dieser Zeitschrift -um ein breiteres und reineres Verständnis werben, ist ohne Zweifel auf guten Wegen. Sie hat sich schon unseres ganzen vielseitigen Lebens bemächtigt und dringt immer tiefer. Keine Aufgabe dieses Lebens, für die sie nicht — wenigstens im Entwurf — auch schon eine zeitgerechte Lösung gefunden hätte. Aber damit nicht genug. Denn wäre es nur das, es bliebe eine Angelegenheit zwischen den Nächstbeteiligten: den Künstlern und ihren Auftraggebern, also ein Vorgang in einem — trotz allem - nur sehr beschränktem Kreis, für die Umwelt ohne weitere Bedeutung. Doch ist das gerade Gegenteil der Fall. Die Zeit scheint für die Baukunst vollends reif geworden: denn jedes ihrer Werke übt jetzt auch auf ,,den unbeteiligten Dritten", also auf die große, bisher indifferente oder indolente Mehrheit der Menschen eine verschiedene, immer starke Wirkung aus. Jeder findet sich durch jedes dieser Werke, sowTie es in seinen Gesichtskreis tritt, seltsam angeregt oder aufgebracht, jedesfalls aus einer gedankenlosen Gemütsruhe aufgescheucht. Die Baukunst ist Antrieb und Inhalt einer allgemeinen geistigen Bewegung geworden. Das ist etwas anderes als zur Zeit der ^Secession". Gewiß auch damals, vor dreißig Jahren, sind mitunter Bauten im Brennpunkt sehr heftiger Debatten gestanden. Doch das war nicht mehr als ein modisches Gezänke, man balgte sich um Fragen des Geschmacks, die Sache der Kunst blieb davon unberührt. Um 1900 geht der Sturmlauf in Wien gegen das neue Haus der Secession, zehn Jahre später gegen das Loos- Haus am Michaelerplatz — geht also mit gleich leichtfertigem Unmut gegen zwei wesentlich verschiedene, ja - wie man meint — einander völlig entgegengesetzte Formen der neuen Kunst. Der publike Kunst kämpf von damals war, mochte er sich noch so aufgeregt gebärden, eitel Spiegelfechterei. Denn er lag in den Händen der Ästheten. Und niemals ist eine Zeit so weit entfernt von ihrer Kunst, als wenn die Ästheten die Meinung beherrschen. Nun haben sie ausgespielt. Die erstarkte Baukunst hat die üblen Vermittler aus dem Wege geräumt und spricht, eindringlich genug, für sich selbst. Die seinerzeit so hoch aufflammende, aber auch schnell wieder verrauchte Leidenschaftlichkeit der Debatten hat sich gelegt, um so echter ist ihre Lebendigkeit geworden.

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