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Menorah · 1931-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1931) · p. Seite 32

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1931)
Article
Arabisches Vizekönigtum
Date
1931-01-01
Page
Seite 32 (sequence 4)
Language
German
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MENORAH die Möglichkeit ganz unerwarteter Rückwirkungen an wichtigen Stellen des Reiches taucht auf. Diese Erwägungen dürften, wie wir annehmen können, eine Reihe führender englischer Politiker, die nicht in die Tagesfragen der Kolonialpolitik verstrickt sind und daher nicht so sehr von den heutigen Zustünden im Orient beeinflußt werden, in Gegensatz zu der Politik des Kolonialamts gebracht haben. Zum erstenmal zeigte sich das deutlich bei ider Gründung der ,,Seventh Dominion Lcague" durch Wedgewood, dann stärker nach der Einwanderungssperre, und jetzt ist es seit dem Vorstoß Balidwins und seiner Freunde, Lloyd Georges, Sir John Simons und führender Arbeiterparteiler zum offenen Ausdruck gekommen. Der Ausgang dieses Kampfes zwischen Kolonialhureaukratie und Politikern kann Folgen haben, die über den kleinen Landstreifen zwischen Jordan und Mittelmeer hinauswirken. LEONID BERMAN Delacroix, der Meister td'er romantischen Malerei, meint einmal, die Natur sei das Wörterbuch des Künstlers. Halb Programm, halb Bekenntnis will diese Äußerung offenbar besagen, daß es nicht Sache der Kunst ist. Gesehenes darzustellen und in mehr oder weniger treuer oder auch freier Wiedergabe Dinge, die unabhängig vom Künstler existieren, in ihrem Sosein zu beschreiben. Wie Wörter im Wörterbuch, mit denen wir, von ihrer Bedeutung gelenkt unid dennoch frei, schalten, um aus ihnen Gebilde zu schaffen, die ausdrücken, was wir im Sinne haben, sind dem Künstler die naturgegebenen Objekte. Nicht Vorwürfe, die er nachbildet, sondern Elemente, aus denen er sich eine Welt aufbaut. Durch naturalistische Strömungen lange Zeit verpönt, feiert diese visionäre Art des Kunstbildens, dem Anschwellen des Spiritualismus in unserer Zeit entsprechend, seit kurzem eine Wiedergeburt. Am augenfälligsten tritt diese Erscheinung in der modernen Kornpositionsmalerei zutage. Den Triumph dieser Tendenzen bedeutet es aber, wenn auch die Landschaftsmalerei sich diese Einstellung zueigen macht. Denn hat, um nur einen Grund zu nennen — die „suruaturalistische", wie Delacroix's Bezeichnung lautet — Kornpositionsmalerei eine lange Reihe erlauchter Ahnen, so heißt Landschaften malen überwiegenderweise nach der Natur malen und Werke, die eher Naturdichtiing als Naturschilderung sind, bilden von jeher seltene Ausnahmen. Erst die Lehren von der Selbst - herrlichkeit des Kunstwerkes, die der Konstruktivismus predigte, vereinigt mit der Verfeinerung des Naturernpfimderis, die der Impressionismus mit sich brachte, schufen den Boden, auf dem sich vor unseren Augen die neue phantasiegeborene Naturmalerei entwickelt. Landschaft als Vision welch Landschaftsmalerei könnte dem Künstler jüdischen Blutes, dem nirgends Verwurzelten, dem zutiefst Fremden, näher liegen? Viele Juden gibt es auch unter den Vorkämpfern dieser neuen, surnaturalistischen Naturmalerei. Einer der begabtesten und eigenartigsten ist Leonid Berman. Eine leere graue Straße zieht sich eingeklemmt zwischen kahlem Gemäuer und einem grauweißen hocherbauten Bahndamm, den kreideweiße parallele Linien durchfurchen. Unerbittlich fangen sie das Auge ein und schleifen es bis an ihr Ende, wo kalte Wände gegenüberliegender Häuser ihnen hart entgegenragen. Eine schwere weiße Wolke hängt am öden grauen Himmel. Unheimlich bedrückend wirkt dieser Teil des Bildes, der zuerst sichtbar wird und als erster die Sinne gefangen nimmt. Es ist, als ob auf schauergepeitschter Flucht ein Ort erschiene, wo jäh alle Wege abbrechen. Doch langsam gewinnen die zarten Formen und dünnen Linien, da>> warme Grün und das satte Schwarz des Hintergrundes zuanfang von der Eisigkeil des Grauweiß und der Wucht der Mauern erdrückt, klare Gestalt: ein Schiff auf schmaler Wasserfläche taucht auf. Nun ist der Bann gebrochen, das Grauen ist vorbei. Die leichte Grazie des Seglers unterbricht die lastenden, einkreisenden Massen des Gesteins rund-

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