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Menorah · 1931-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1931) · p. Seite 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1931)
Article
Das Heldenlied von der Nadel
Date
1931-01-01
Page
Seite 24 (sequence 12)
Language
German
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24 MENORAH lohn als Arbeitslosenunterstützung. Auch wenn der Arbeiter während der schwachen Saison anderweitig (das heißt nicht in seinem Beruf) Gelegenheitsarbeit bekommen sollte, wird ihm die Unterstützung nicht entzogen. In Cleveland hat dieser Plan ausgezeichnete Erfolge aufzuweisen. Nicht nur, daß die Industrie selbst das erzwungene Feiern bezahlen muß; der Haupterfolg liegt darin, daß die Unternehmer hier angefangen haben, Maßnahmen gegen die Saisonarbeit zu treffen — so Vermehrung der beim Verkauf Beschäftigten, Vorarbeiten durch Zuschneiden, bevor die Nachfrage einsetzt, und Annahme von Bestellungen, die keinen Nutzen oder sogar einen kleinen Schaden ergeben. Die Amalgamated begann mit der Propaganda für die Arbeitslosenversicherung bei ihrer Konferenz in Boston, 1920. Heute funktioniert sie klaglos in Chicago und ist kürzlich in New York und Rochester eingeführt worden. In Chicago wird der Fundus durch Beiträge beider Teile gebildet — die Unternehmer tragen zwei Prozent ihrer wöchentlichen Lohnauszahlungen bei, die Arbeiter ein Prozent des Lohnes. Hier hat die Gewerkschaft auch eine ausgezeichnete Arbeitsvermittlung eingerichtet. Es gereicht sowohl Arbeitgebern als auch Arbeitern in der Nadel - Industrie zur Ehre, daß sie allein im großen und reichen Amerika den Mut hatten, an dies schwierige Problem heranzutreten und daß sie einen Weg gebahnt haben, auf dem ihnen Kohle. Stahl, Hochbau und andere Industrien bald folgen dürften. VI. In der Bekleidungsindustrie ist durch diese Tätigkeit auf dem Felde der Organisation, der Schwitzbuden, der Elendsquartiere, der Löhne und Arbeitszeiten, der Fabriksleitung, der Schlichtung von Unstimmigkeiten, der Arbeitslosigkeit, — aus dem elenden Schwitzbuden Schneider ein stolzer Bürger der amerikanischen Industrie geworden. Ein Bürger will auch menschlich leben. Wenn man den Wirtschaft liehen Druck nur ganz wenig erleichtert, regen sich schon eine Menge neuer Wünsche. Ein freier Mann will Bildung, Unterhaltung, Gesundheit, die Möglichkeit, schöpferisch zu wirken. In der Bekleidungsindustrie kamen zuerst diese Probleme auf's Tapet — Fortbildung, Erholung, Gesundheitsfürsorge, wissenschaftliche Erforschung der Industrie, allgemeine Schulbildung, geteilte Verantwortlichkeit in der Führung der Geschäfte. So wandelt sich langsam die wirtschaftliche Organisation der Arbeiter in eine soziale Gemeinschaft.

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