Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1931)
- Article
- Das Heldenlied von der Nadel
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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16 MENORAH gelangen, teils an ihnen mitgearbeitet. Darunter sind der „Konstitutio nalismus" in der Industrie, die Arbeitslosenversicherung, soziale Arbeit und Fürsorgetätigkeit. Von diesen Dingen als von speziellen Errungenschaften der Nadel Industrien zu reden, heißt nicht, ihren amerikanischen Ursprung ver leugnen. Die Arbeiter wissen sehr wohl, welche Dankesschuld sie gegenüber der amerikanischen Arbeiterbewegung haben. Aber wenn sie von dieser sehr viel lernten — den Begriff der Organisation überhaupt, die Streiktechnik, den demokratischen Apparat, interne Gewerkschaftspraxis, kollektives Unterhandeln —, so haben sie doch auch der Gewerkschaftsbewegung etwas Neues beigebracht: wie man nämlich Ausländer und wie man Frauen organisiert. Die wirtschaftliche Entwicklung in den Vereinigten Staaten hat es mit sich gebracht, daß die Arbeiterklasse zum überwiegenden Teile aus Ausländern besteht. In ihr werden mehr als fünfzig Fremdspra chen gesprochen. Die Organisierung der Arbeiterklasse in einem so riesigen Lande, unter so verschiedenen Industrien, mit so ungeheuren Trusts und so mächtigen und eng verschlungenen Finanzinteressen war an sich eine schwierige Aufgabe, die Heldenkräfte erforderte. Was Wunder, daß Arbeiterführer oft und oft die Fremdheit der zu Organisierenden nur als eine Last mehr, eine fast unüberbrückbare Schwierigkeit empfanden. Welche Berge von nationalen Vorurteilen galt es zu überwinden! Ohne die Organisierung der ,,Fremden" aber blieben die wichtigsten Bollwerke der amerikanischen Industrie uneinnehmbar — Stahl, Fleischkonservierung, Erdöl, Textilien. Die „Vereinigten Arbeiter der Bekleidungsindustrie" (Amaiga mated Clothing Workers) geben mit ihrer Gewerkschaft ein besonders einleuchtendes Beispiel für die Organisierung verschiedener Nationalitäten. Entstanden als eine Sezession von der Vereinigten Kleider gewerkschaft (United Garment Workers), stellte sie diese bald ganz und gar in den Schatten. Dieser Erfolg ist deshalb um so bemerkens werter, weil die United es überhaupt aufgegeben hatte, die Ausländer in die Gewerkschaft hineinzubringen; das Problem war ihr unlösbar erschienen. Die Führer der United schoben die Schuld an ihren Miß erfolgen häufig auf die „KilleWirtschaft und den Radikalismus der Juden und Italiener". Sie beschränkten sich schließlich darauf, die Interessen der Zuschneider zu vertreten, die meist in Amerika geboren waren oder der ersten Gruppe irischer und deutscher Immigranten angehörten. Der Amalgamated ist es gelungen, ausländische und amerikani-