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Menorah · 1930-11-01 · Heft 11-12 (November 1930) · p. Seite 600

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 11-12 (November 1930)
Article
Zu J. L. Gordons 100. Geburtstag
Date
1930-11-01
Page
Seite 600 (sequence 2)
Language
German
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600 MENORAH Höhepunkt überschritten halte. Die neue palästinensische Bewegung der 1880 er Jahre fand ihn enttäuscht, gealtert und ermattet, obwohl er schon 1870 (im hebräischen Blatte ,,Haschachar") für eine jüdische Kolonisation Palästinas eingetreten war. Bei dieser Feststellung darf auch nicht übersehen werden, daß der Dichter im letzten Jahrzehnt seines Lebens zu Erwerbszwecken vielfache und anfreibenide Tages-arbeit leisten mußte, so durch seine leitende Mitarbeit an der hebräischen Tageszeitung „Hameliz" und an der Herausgabe einer vielbändigen Enzyklopädie. Solche „Schwerarbeiten" erforderten seine ganze Kraft und reichten seinem dichterischen SchatTen zum Nachteil. Die Resonanz seiner späteren Dichtungen ist auch weit geringer als die seiner ersten Periode; und um Gordons Lieder aus dieser Zeit sehweben tragische Schalten der Einsamkeil. Der Satiriker und geistvolle Ironiker wurde zum resignierten Tröster, der nationale Ankläger zum nationalen Verteidiger. Er erkannte, daß die Juden eine „geschlossene Einheit" bilden und beschwor sie, ,,Goltunddie heilige Sache" nicht zu vernachlässigen. In zahlreichen Aufsätzen (wie zum Beispiel in dem bekannten: ,,Esra und Esro") plädierte Gordon für die geistige und politische Erlösung: zuvörderst sei jedoch die Veredelung, die geistige Erhebung des Volkes zu bewirken, bevor die Palästinaarbeit aufgenommen werde. Damit hat Gordon noch vor Achad Ilaam auf die Notwendigkeit der inneren jüdischen Renaissance hingewiesen. Die Verbindung des Dichters mit dem Palästinagedanken bekundet am deutlichsten sein letzter Wille („Hameliz", 189,'i, Nr. 130), daß seine Bücherei der Nationalbibliothek in Jerusalem überbracht werden solle. In einem Brief des Dichters (1891) an den Rechtsanwall Jacob Mnse (Moskau) ist nicht nur davon die RetJe, daß er die übergäbe der Bücherei nach Palästina testamentarisch bestimmt, sondern, daß er zu einem gleichen Legat einen alten reichen Freund in Petersburg (vermutlich ist es Dr. Arkadij Kaufmann, der etwa 90 Jahre alt im Jahre 1893 starb) bewogen habe, der eine große Sammlung jüdischer Bücher und Handschriften besaß. Dennoch war Gordons Seele nach den .schweren Enttäuschungen hoffnungslos. Als im Jahre 1882 Dr. Leo Pinsker seine bedeutungsvolle Sehriift „Auloemancipalion" veröffentlichte, durch dlie die neue zionistische Bewegung eingeleitet wurde, erwiderte Gordon darauf mit einem Gedicht „Gottes Herde" voll rettungsloser Schwermut und Pessimismus. Dem Mahnruf des Autors der „Autoeniancipalion'' an seine Slammesgenossen zur Wiedergeburt der jüdischen Nation stellt der Dichter seinen hoffnungslosen Ausblick auf das Judentum entgegen, als Golles Herde, uneinig und der Erneuerung unfähig. „Bilden wir denn eine Nation oder eine religiöse Gemeinschaft? . . . Wir sind weder eines noch das andere. Wir sind Gottes Herde heiliger Schafe, die für den Opferaltar vorherbestimmt sind. Unsere Hirten scheren uns unbarmherzig und Wölfe schnappen mich uns überall . . ." Zu diesem Bilde paßt es völlig, wenn sich Gordon in einer anderen seiner Dichtungen nls den „letzten Dichter" bezeichnete. Er hat darin geirrt; aber daß auch auf dem Gebiete der hebräischen Dichtung die jüdische Lebenskraft sich bewährte, dazu hat trotz der Resignation seiner letzten Jahre gerade Gordon viel beigetragen. Denn er gehört in Stilgewalt und Kampfgeist zu den ersten Dichtern und Schriftstellern, deren Schöpfungen von der Vergangenheit in die Gegenwart hineinragen, da ihr Vorbild immer wieder die Kräfte auslöst, die den Idealen neu bleibende Formen zu schallen suchen. Leon ScheinTiaus CW^X-^W Aß ^(^1-411^1-^ Größte internationale Kunstwerkstätte für \J JL l XiyjLTvFV OV^JL III J. Perücken, Sdieitel und Transformationen Wien, I., Kärntnerring 6, gegenüber dem Hotel Bristol liefert seit mehr als anderthalb Jahrzehnten den vornehmen orthodoxen Damen aller Länder Perücken .......... Spezialität: Brautscheitel, diese werden der Mädchenfrisur mit verblüffender Täuschung nachgemacht ———

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