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Menorah · 1930-11-01 · Heft 11-12 (November 1930) · p. 597

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 11-12 (November 1930)
Article
Salomo
Date
1930-11-01
Page
597 (sequence 1)
Language
German
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S A LO M O Von Edmond Fleg Mit Genehmigung des Verlages R. Piper & Co.. München, veröffentlichen Avir einen Abschnitt aus dem in den nächsten Tagen erscheinenden Werke „Salonio"'. AUS DEM VORWORTE: . . . Es ist Sache der Forscher, das folkloristische Material zusammenzustellen, zu ordnen, zu kommentieren, die einzelnen Sagen miteinander zu vergleichen, zu ihren verschiedenen oder gemeinsamen Quellen zu gelangen. Aber sollte es dem Dichter nicht gestaltet sein, diese Sagen, ihre Form und ihren Geist?.\\ erneuern, indem er sie auf s e i n e Art auslegt, wie es auch seine Vorgänger immer wieder getan haben, und sie als zerstreute Elemente einer weitausgreifenden Dichtung anzusehen, die noch nicht gesell rieben wurde? So halie ich meine Arbeit aufgefaßt. Ich scheute mich nicht, das Werk meiner Vorgänger mit der gleichen Freiheit zu benülzen, wie sie ihre eigenen Unterlagen; ich hielt mich keineswegs sklavisch an ihr Wort; ja. zuweilen fügte ich ihren Erzählungen eigene, selbst erfundene hinzu, um so ihre Phantasie.;ui der die meine sich entzündet hatte, besser auf unsere Zeit wirken zu lassen. Und doch glaube ich nicht, willkürlich verfahren?.\\ sein, denn eine jede Legende wird, wenn sie von einer Zeil auf eine andere übergeh i, immer wieder neu geschaffen . . . DAS KIND DES FRIEDENS Er weckte mit seinem Hauche um die Mitte der Nacht, wie in jeder Nacht, der Nordwind die Saiten der Harfe; und die Saiten der Harfe weckten mit ihrem Hauche den König David. Da sang auf der Terrasse des Palastes König David — und seine Harte weckte das Mondlicht — also vor dem Ewigen: Deine Gerechtigkeit, o Herr, sah meine Sünde; wird dein Erbarmen auch meine Reue sehen? Dem Uria habe ich sein Weih Bathseba entfremdet, habe ihn in die vorderste Reihe meiner Krieger, vor die Pfeile des Feindes gelrieben. Das Kind, das sie in Mord und Ehebruch mir zeugte, liefest du zu meiner Züchtigung sterben, König der Welt; willst du nun jenes, d:is sie meiner Buße schenken wird, leben lassen zum Zeichen deiner Gnade? Da er betete, stieg sein Gebet zu den Höhen empor und weckte das Gebet der Engel; und die Engel wieder weckten das Mitleid im Herzen des Ewigen und sangen: Verzeihe David, o Herr, verzeihe Bathseba! Laß den Sohn, der ihrer Reue entsprießen wird, leben in deiner Gnade! Alsbald durchdrang ein Ruf den unendlichen Raum: Ein Kind gehe aus zur Erde in dieser Nacht, und in Weisheil herrsche es von einem Ende der Welt bis zum andern über die Menschen, über die Tiere und über die Geisler! Als sie den Ruf vernahmen, erhebten die Menschen der Inseln und des festen Landes, die Tiere der Felder, der Lüfte and der Wasser, die Geisler der Täler und der Berge, der Müsse und der Meere, der Feuer und der Gestirne, und sie schrien insgesamt und an allen Orlen: Von wem wirr! er ausgehen, dieser Mächtige? Aber Belzcbub. der . Verdammte, dachte in seinem Herzen: Nur David kann er entstammen, denn Stärke ward David verheißen, und seinen Nachkommen der Sieg. Und der Verdammte deckte mit dem Dunkel seiner Fittiche das Mondlichl und flog zum Palast, um das Kind zu erwürgen, ehe es zum erstenmal den Tag dämmern sähe. Aber zur Hechten und zur Linken Balhsebas hallen die Engel Freudenbanner entfallet: in vollkommener Reinheit lächelte das Neugeborene mit seinen Mandelaugen, mit seinem leuchtenden Mund der Welt entgegen, und die Welt lächelte ihm. König David, so sangen die Engel, seit dem Tage, da Gott uns schuf, haben wir uns nur, um die Geburt Adams zu sehen und die

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