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Menorah · 1930-11-01 · Heft 11-12 (November 1930) · p. Seite 596

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 11-12 (November 1930)
Article
Juden sollen Bauern werden!
Date
1930-11-01
Page
Seite 596 (sequence 11)
Language
German
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596 MENORAH warum der edle Baron seine große Kolonisationsidee nicht in Paliistina verwirklicht hatte . .. Wir sitzen also da und warten. Die Uhr schlägt eins, zwei . . . Die Sonne wirft ihre glühenden Strahlen hernieder und sticht wie mit Nadeln. Der Kopf beginnt zu schmerzen. Man sucht unter den Wagen Schutz, und endlich, Gott sei Dank, die Herren sind da, bewegen sich schwer, mit vollem Magen und geröteten Gesichtern. Nun beginnt das schläfrige Kommando: je zwei Kolonisten steigen auf den Wagen, laden dem Träger einen Sack auf, und dieser trägt ihn über das Brett, das vom Wagen bis zur Rampe führt, in den Speicher, wo der Magazineur die Säcke von seinen Untergeordneten symmetrisch schichten läßt. Dies wird aber so „geschickt14 gemacht, daß jeden Augenblick ein Sack platzend zu Boden fällt. Man watet oft bis an die Knöchel in dem am Boden liegenden Getreide, das laut Statut, als Abfall, dem Magazineur, den Aufsehern und den übrigen Beamten gehört. In der Nacht sorgten dann diese Herren dafür, daß es zusammengekehrt und in Säcke gefüllt wurde . . . Die Vertrauensleute der lea pflegten dann ganze Waggons davon als Abfall zu verkaufen. So lachhaft die Sache auch scheinen mag: In jenem Jahre fehlten viertausend Sack Weizen aus den Speichern. — Für die Obrigkeit war das ganz einfach — ein Irrtum in der Aufstellung! . . . Diese meine Angaben linden ihre Bestätigung in den Kopierbüchern der Administration von Mauricio. Casez konnte das auf keinen Fall begreifen, und es hagelte Briefe mit der Frage: „Was soll das heißen: es fehlt?" Gewogen wurden die Säcke nicht mehr, da sie bereits bei der Dreschmaschine mit Gewicht übernommen wurden. So wurden alle 3250 Hektar Weizen Eigentum eines einzelnen, obwohl sie einigen Dutzend Familien gehörten . . . Ganze Reihen von Säcken wurden durcheinandergewiirfelt. Man war glücklich, wenn es gelang, das Getreide rascher abzuliefern, um wenigstens abends, hungrig und müde nach Hause zurückkehren zu können. Oft aber will es der Zufall, daß mancher erst um sechs Uhr abends eintrifft, gerade um die Zeit, wo der Speicher geschlossen wird. Er muß dann mit dem vollbeladenen Wagen und den hungrigen Ochsen bis sieben Uhr morgens wTarten, da der Speicher wieder geöffnet wird. Die Qualen, die man in einer solchen Nacht erleidet, sind unbeschreiblich. Man hält vor dem Wagen Wacht, im Hirn jagen die Gedanken einander, und der Verzweiflung ist kein Ende. (Fortsetzung folgt.)

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