Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1930)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1930-11-01
- Page
- Seite 595 (sequence 10)
- Language
- German
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JUDEN SOLLEN BAUERN WERDEN! 595 Zeigen Sie mal. was Sie können, Sie feiner Herr! Kriechen Sie mal unter die Maschine und unterweisen Sie uns, wie man zu arbeiten hat. Sie haben gut lachen! Wieviel Provision haben Sie bei diesen unbrauchbaren Maschinen verdient?'* Der Administrator wurde puterrot. ,,Schweig, du Lump!" entgegnete er, und gemeinsam mit dem ..Ägypter" ritt er eine Attacke gegen Weinslein. Dieser aber hieb mit dem Ochsenziemer gegen die Pferde, die sich wild aufbäumten. Dem Ägypter", der ein geschickler Reiter war, gelang es. sein Pferd zu halten, während das andere den Administrator weil davontrug. Wir sahen schadenfreudig zu. aber das sollte uns teuer zu stehen kommen. Weinstein wurde mit dem Entzug einer Monatsunlerstülzung und wir anderen drei mit je zehn Pesos bestraft! ie Kolonisten von zwei bis drei Gruppen taten sich zusammenluden auf jedes Fuhrwerk 30 bis 3f> Sack, und so ging es nach Gasarez. wo das Getreide in dem Speicher der Administration abgelagert wurde. Auf welche Weise die Fahrt vonstatten ging, ist ein besonderes Kapitel, und kein sehr erfreuliches. Die Wege waren schlecht, überall tiefe, morastgefüllte Gruben, und sehr oft versanken wir bis an die Achsen. Bei solchen Vorkommnissen mußten wir uns der Kleiden* entledigen, in den Sumpf hinuntersteigen und die Säcke einzeln ins Trok kciie bringen. Es war kein erhebendes Schauspiel, eine solche Karawane von Juden mit schmutzigen Barten, halbnackt, im Moraste waten zu sehen, während sie die schweren Säcke auf dem Bücken schleppten. Aber man machte sich nichts daraus, man tat es ja für sich selbst, es war doch das eigene Brot: und einer half dem andern, so gut er konnte. Trotz alledem empfand man die Arbeil als angenehm! . . . Nun man die Fahrt glücklich überstanden und die Tore des Speichers erblickt halte, begann erst die eigentliche Plackerei. In jedem Gesichte spiegelte sich die Unzufriedenheit. Man merkte bald das unwürdige Benehmen von seilen der Obrigkeit und den Diebstahl, der von den Magazineuren mit unerhörter Kaltblütigkeit betrieben wurde. Der Speicher ist geschlossen, die Obrigkeit ist beim Speisen. Unsere Lastträger" sitzen im Kreise, die Peitschen und Ochsenziemer in der Hand, der eine raucht, der andere kaut Zwieback, ein dritter wäscht sich den Staub aus den Augen . . . Man lärmt, flucht und führt Klage gegen die ganze Welt. Es gibt unter ihnen aber auch ..Feilschen träger"', die über hochpolitische Dinge sprechen und ergründen wollen. JCL1L Die Einbringung der Ernte