Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1930)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1930-11-01
- Page
- Seite 589 (sequence 4)
- Language
- German
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JUDEN SOLLEN BAUERN WERDEN! GauchoüherfaU Sie kamen plötzlich von allen Seiten angeritten. „Patron, gib uns Arbeit!" baten sie. „Laß uns wenigstens draußen vor deiner Hütte übernachten." Urvater Abrahams Enkel sind gastfreundlich, und wir nahmen sie gut auf. Auch die Verwaltung sah es gerne, daß sie gekommen waren. Die Ernte schien ausgezeichnet, und es wurden Arbeitskräfte benötigt. Indessen ereigneten sich bald unangenehme Zwischenfälle. In einigen Hürden wurden erstochene Kühe aufgefunden, aus deren Rippen zehn bis fünfzehn Kilogramm Fleisch fehlten; der Rest lag mit dem Fell umher . . . Wir wußten sofort, daß es das Werk der Gauchos war. Sie hatten sich bloß ein Stück Fleisch zum Braten genommen -— und weiter nichts! Anderswo schnitten sie sich aus dem lebenden Ochsen ein Stück heraus, ohne ihn zu schlachten. Dem Gaucho schien das ganz natürlich! Ihm ist der Eigentums begrilf fremd, er kennt nicht den Unterschied zwischen mein und d e i n, er holt sich seinen Lebensbedarf, wo er kann. Selbst in sexueller Hinsicht ist er frei wie der Vogel im Walde. Heiratszeremonien sind ihm fremd. Von Moral und Religion hatte er keinen Begrilf. Besonders vor dreißig Jahren. Was er besaß, teilte er auch mit den anderen. Er war instinktgemäß ein entschiedener Gegner jeglichen Privateigentums. Daher geriet er mit der zivilisierten Moral und der gesetzlichen Ordnung in Konflikt. Er sah zu, wie Ochsen geschlachtet wurden, und wenn er ein Stück Fleisch verlangte, so wurde Bezahlung von ihm gefordert. Der Naturmensch machte keine langen Überlegungen und nahm, was ihm unter die Hände kam. Die Wahrheit gesprochen, muß ich sagen, daß wir Kolonisten ein Auge zudrückten. Wenn die Großen stehlen durften, warum sollte nicht auch der arme Gaucho etwas zum Beißen haben. Doch als die wilden Kreolen sahen, daß wir es duldeten, wurden sie immer frecher und begannen auch unseren FTauen und Mädchen unliebsame Aufmerksamkeit zu schenken. Als sie aber den Widersland der schönen Mädchen, die ihnen mit Verachtung auswichen, wahrnahmen, wendeten sie Gewalt an. Die Schändungen und Vergewaltigungen häuften sich von Tag zu Tag. Die ganze Kolonie war von einer Panik ergriffen, keine FTau durfte sich aus dem Hause wagen. Und wie immer nach jeder Katastrophe, begannen die Wankelmütigen zu fordern: Schicken Sic uns nach Hause, Herr Doktor, Vergewaltigungen und Schändungen hatten wir doch auch in Rußland!"