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Menorah · 1930-11-01 · Heft 11-12 (November 1930) · p. Seite 588

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 11-12 (November 1930)
Article
Juden sollen Bauern werden!
Date
1930-11-01
Page
Seite 588 (sequence 3)
Language
German
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588 MENORAH nen Hut zu Boden geschleudert und mit seiner Baßstimme ausgerufen: „Wo sind sie, die Herrschaften, der Herr Bezirksinspektor, der Polizeimeister und der große Herr, höchsteigen der Herr Gouverneur Drentlen! Mögen sie nur herkommen und zerspringen! Mögen sie sehen, wie die Juden, die Wucherer und Schacherer, den Boden bearbeiten können! Dabei ist von Haus aus kein einziger Landmann unter uns!'" Dann begann er Witze zu reißen und rief alle ihren früheren Berufen nach und mit Namen auf : ..Piawski Herseh, ehemaliger Flößer auf dem Dniester und Dnieper, verdiente sechs Rubel die Woche; Lewinson Schimon, führte Lehm in Kanienelz Podolsk, ein Rubel fünfzig das Fuhrwerk . . . Wi narsky Salomon: brachte Damen und Herren im Kiew zum Bahnhof und bekam Trinkgeld! Mein Gott, saubere Beschäftigungen/1 Wir hielten uns die Seiten vor Gelächter. Der Winter war zu Ende. Der argentinische Frühling nahte heran, Menschen und Pflanzen erwachten. Die Kolonistinnen mit ihren Kindern breiteten sich wie die Ameisen über die Gärten aus, gruben und pflanzten. Die Männer waren mit den Vorbereitungen für die Maissaat beschäftigt. Da erreichte uns die Nachricht, daß zwei definitive Direktoren, Samuel Hirsch und David Casez, die Leitung der Kolonisation übernommen halten. Es begann ein neuer Wind zu wehen. Hirsch und Casez, sowie Kogan und Berkenheim vertieften sich ernst in unsere Lage. Der Kolonist wurde mit mehr Respekt behandelt als unter dem Regime des Regimentskommandeurs . . . Die Felder grünten und flößten uns Holfnung ein. Von der neuen Direktion traf ein Rundschreiben ein, wonach jeder Kolonist neben seinem Hause fünfzig Bäume pflanzen sollte. Die Waldungen von Alice und Algorobo stellten die nötigen Bäumchen bei. l^s kam viel landwirtschaftliches Material in die Kolonien: Maschinen und andere Geräte; jeder erhielt (»inen vierrädrigen Wagen. Sechsunddreißig neue Mähmaschinen. System Walter & Wood, trafen ein und die achtzehn allen wurden repariert und für die Weizenernte bereitgehalten, die reichen Ertrag versprach. Auf Schritt und Tritt wehte einem neues Leben entgegen. Zu Beginn des Frühlings gelangte auch ein herzlicher Brief des Baron Hirsch zu uns. in dem er bat. ihm ein Musler unseres Weizens nach Paris zu schicken. Er wolle, schrieb er, mit eigenen Augen das Getreide sehen, das seine Kolonisten dank ihrer Arbeitsamkeit und ihrem Fleiß hervorgebracht hatten. Die Freude war unermeßlich. Aber wie immer sollte sie auch diesmal nicht ungetrübt sein.

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