Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1930)
- Article
- Brief aus Polen
- Date
- 1930-11-01
- Page
- Seite 585 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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BRIEF AUS POLEN 585 tr Teilansicht von Boryslnw nicht die Ausbeulung der Gruben. Und sicher ist, selbst für Optimisten, daß Götter nicht zuverlässig sind und von jeder sozialen Gesinnung mindestens so weit entfernt wie von ihren Beamten und Arbeitern. Ich verließ diese Gegend an einem goldenen, friedlichen Abend, dem nicht anzuseilen war, was für ein Gebiet er überwölbte. Die Arbeiter gingen mit der gleichmäßigen Sicherheil heim, mit der nur Bauern von der Feldarbeit kommen, und es war. als trügen auch sie Sensen auf den Schultern, wie ihre Großväter sie noch getragen hallen. Ein paar arme Leide standen am trüben Wasser und schöpften verirrles Öl mit Kannen. Sie waren die kleinen Kollegen des großen Pariser Dreyfuß. Sie haben nicht Aktien, sondern Himer. Sie verkaufen das gefundene Öl in ganz winzigen Quantitäten und beleuchten damit ihre provisorischen Bretterbuden. Das ist alles, was ihnen die verschwenderische Natur zugedacht hat. Ihre Hütten standen schief, braun und ergeben im goldenen Sonnenglanz. Es schien, daß sie noch mehr zusammenrückten, kleiner wurden und vollkommen verschwinden wollten. Morgen würden sie nicht mehr vorhanden sein. Ich hoffe, lieber Freund, daß ich Ihnen (»ine Ahnung von der Atmosphäre des osteuropäischen Kalifornien vermitteln konnte. Ich beschrieb es Ihnen, um Ihnen zu zeigen, daß ich nicht durchaus Idyllisches aus diesem Land zu berichten entschlossen bin. Inzwischen verbleibe ich Ihr ergebener Joseph Roth