Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1930)
- Article
- Der Weltkrieg als ein Wendepunkt im sozialen und wirtschaftlichen Leben des Ostjudentums
- Date
- 1930-11-01
- Page
- Seite 576 (sequence 20)
- Language
- German
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576 MENORAH alteriiches Innungsgesetz ein. um die Tätigkeit der Juden in dem Handwerk und in der Kleinindustrie, die in ihrem Wirtschaftsleben eine so hervorragende Rolle spielen, zu beschränken. Von großer negativer Bedeutung sind auch die sozialistischen Tendenzen, die überall und insbesondere im Osten erstarkt sind. Die Verwirklichung des Sozialismus auf dem Wege der Expropriation und verschiedenster Gewaltmaßnahmen ist nur für die Sowjetunion kenn zeichnend. Aber auch die sogenannten ..bürgerlichen'' Regierungen sind jetzt dazu geneigt, die wirtschaftlichen Befugnisse des Staates bedeutend zu erweitern. Dieser sogenannte ..Etatismus'" ist für die jüdische Bevölkerung oftmals sehr gefährlich. In Sowjetrußland, wo die Regierung keine nationalistischen Zwecke verfolgt, brachte der Sieg des Sozialismus katastrophale Eolgen für die jüdische Bevölkerungmit sich. Die sozialistischen Tendenzen der ^bürgerlichen'' Regierungen sind weniger ausgesprochen, sie sind aber oftmals ausdrücklich mit ihrer Spitze gegen die jüdische Bevölkerung gerichtet. Das muß in erster Linie über den polnischen Etatismus gesagt werden. Man monopolisiert den Branntwein-, den Tabak- und den Zündholzhandel. um dabei nicht nur den jüdischen Händler, sondern auch den jüdischen Arbeiter auszuschalten. Man schallt privilegierte Getreide-, Butter-, Eierausfuhrkartelle. und dabei wird praktisch der jüdische Handel ausgeschaltet. Diese Erstarkung der etatislischen Tendenzen in Polen ist gegenwärtig die Haupt Ursache der sehr ernsten Krise, in der sich die jüdische Bevölkerung befindet. Es macht den Eindruck, daß Polen die Aufgabe, die zu lösen im XVI. Jahrhundert nicht gelungen ist. — die Vernichtung des jüdischen Bürgertums und seine Ersetzung durch ein nationales. — jetzt ohne brutale Gewallmaßnahmen durch eine geschickte, quasireehlmüßige Politik zur Lösung zu bringen versucht. Auch in der Hinsicht hat sich die Situation des Ostjudentiims grundsätzlich geändert, daß die Emigration ihre frühere Bedeutung, als ein Ventil, das die Überschüsse der jüdischen Bevölkerung wegführte, verloren hat. Die Vereinigten Staaten, die einige Jahre nach dem Weltkriege ihre Tore für die Emigralion aus Ost- und Südeuropa geschlossen haben, können zunächst durch alle anderen überseeischen Länder zusammengenommen nicht ersetzt werden. Der Andrang der Emigranten nach den anderen Ländern, der durch die Sperre der Vereinigten Staaten verursacht ist, zwingt auch diese zur Begrenzung der Emigration und diese trifft die osl jüdischen Auswanderer im stärksten