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Menorah · 1930-11-01 · Heft 11-12 (November 1930) · p. Seite 566

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 11-12 (November 1930)
Article
Der Weltkrieg als ein Wendepunkt im sozialen und wirtschaftlichen Leben des Ostjudentums
Date
1930-11-01
Page
Seite 566 (sequence 10)
Language
German
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MENORAH zeit, obgleich sie denselben Namen tragen. Die Pogrome der Kaiserzeit kamen beim Bestehen einer leidlich geordneten Staatsgewalt vor. Diese •erfüllte aber ihre Pflichten nicht, sie schützte die jüdische Bevölkerung nicht, und ihre geheimen Ageniert waren oftmals an der Organisation der Pogrome beteiligt. Das war eben das, was die moralische Entrüstung in der Welt zu enlfachen pflegte. Aber das Bestehen einer geordneten (iewalt zog doch der Tätigkeit der Pogrombanden gewisse Grenzen. Das waren schnell vorübergehende Ereignisse; es kam dabei zu Plünderungen, zu Schlägereien und einzelnen Mordtaten, niemals aber zu massenhaften Massakers. Die Pogrome des Bürgerkrieges waren ein Ausdruck einer dauernden Anarchie, in der sich das Land befunden hat. Sie betrafen nicht nur die Juden, sondern auch andere Teile der Bevölkerung; aber in der dicht von den Juden besiedelten Ukraine waren sie die hauptsächlichen Opfer der Pogrome, die von grausamsten Menschenmassakers begleitet waren. Die Pogrome waren keine vorübergehende Erscheinung, viele jüdische Gemeinden lebten monate-, sogar jahrelang unter den Pogromschrecken, viele wurden dabei gänzlich von den Pogrombanden vernichtet. So ein Unglück war seit dem IIa jdamakenaufstand im XVIII. Jahrhundert den Juden nicht geschehen. Solche Katastrophen legen Zeug nis über die schreckliche Verrohung, die ein Bürgerkrieg mit sich bringt. Die Wunden, die die Pogrome dem ukrainischen Judentum geschlagen haben, waren grausam. Aber seine wirtschaftliche Lage hätte in den zehn Jahren, die inzwischen vergangen sind, schon verbessert werden können. Die tiefe Not, in der die russischen Juden nicht nur in der Ukraine, sondern überall im Lande sieht jetzt befinden, ist nicht die Eolge der Pogrome, sondern der sozialen Revolution. Die Spitze dieser Revolution ist gerade gegen die Juden, nicht als einer religiösen oder nationalen Gruppe, sondern als Exponenten der bürgerlichen Ordnung gerichtet. Die wirtschaftliche 'Tätigkeit des Judentums war auf zwei Grundlagen aufgebaut: erstens, auf dem freien Unternehmertum und zweitens, auf dem Handwerk und der Kleinindustrie. Die russische soziale Revolution zerstörte beide Grundlagen der jüdischen Wirtschaftstätigkeit. Das große jüdische Bürgertum wurde expropriiert, und seine Unternehmertätigkeit wurde lahmgelegt. Und auch das Handwerk und die Kleinindustrie werden als gefährliche Konkurrenten der schwerfälligen Staatsindustrie, dem allmählichen Untergang geweiht. Die positiven

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