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Menorah · 1930-11-01 · Heft 11-12 (November 1930) · p. 557

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 11-12 (November 1930)
Article
Der Weltkrieg als ein Wendepunkt im sozialen und wirtschaftlichen Leben des Ostjudentums
Date
1930-11-01
Page
557 (sequence 1)
Language
German
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Der W eltkrieg als ein Wendepunkt im sozialen und wirtschaftlichen Lehen des Ostjudentunis Von Boris ß r u t z k u s Dem großen Gesdiiditssdireiber des Judentums Simon Du bnow zu seinem 70-jährigen Jubiläum gewidmet I. Mit dem Weltkriege wurde eijie wichtige Periode in der Geschichte des Os[Judentums schroif abgebrochen, die mit Polens Zerfall begonnen lud. Uni die große Tragweile dieser Umwälzung zu verste hen und zu bewerten, müssen wir hier einen ganz kurzen Überblick über die Entwicklung der sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse des OstjudenLums vor dem Kriege geben. Das Territoriuni des allen Polens wurde seit dem Ende des Mittelalters zu einem Zufluchtsort des ganzen verfolgten Judentums Mitteleuropas. Bis zum Zeilaller der Kreuzzüge waren die Juden in allen westeuropäischen Ländern stark vertreten und erfüllten hier sehr wichtige wirtschaftliche Funktionen. Der weitere wirtschaftliche Aufstieg des Abendlandes brachte ein christliches Bürgertum hervor, das zum verbissensten Feinde des Judentums wurde. Es nutzte den religiösen Elan der Kreuzzüge aus. um seinem begabten Konkurrenten einen harten Schlag zu versetzen, von dein er sich schon nicht mehr erholen konnte. Gestützt durch den katholischen Klerus und später auch durch den auf religiösen Grundlagen sich aufbauenden Staat führte das Bürgertum einen Vernichtungskrieg gegen die Juden weiter. So waren die Überreste des westeuropäischen Judentums gezwungen, zu ihrem größten Teil nach Polen zu dächten. Das Jiddisch ist bis zum heutigen Tage das unwiderlegliche Zeugnis der überwiegend westlichen Herkunft des Ostjudenlums geblieben. Auch in Polen drohte den Juden dieselbe Gefahr; auch hier nutzte das christliche Bürgertum im XVi. Jahrhundert die Stimmungen der katholischen Reaktion aus. um die Rechte der Juden in den Städten zu schmälern und womöglich sie aus diesen gänzlich zu vertreiben. Der Kampf des christlichen Bürgertums und des katholischen Klerus gegen die Juden hatte aber in Polen für sie nicht die vernichtenden Folgen wie in Wesl- und Mitteleuropa, weil in Polen die Elemente des Feudalismus noch weniger als in Deutschland überwunden werden konnten. Die in den alten königlichen Städten stark bedrängten Juden konnten

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