Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1930)
- Article
- Das Problem der antiken Synagoge
- Date
- 1930-11-01
- Page
- Seite 554 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2912821-2912900-2912907-2925956--09660-2926106- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
554 MENORAH Bänken, die längs den Wänden herumlaufen, ein erhöhter Sitz für den Synagogenvorsteher steht. Der südlich angrenzende Raum — Überreste einer Trennungswand sind deutlich erkennbar, sie soll nachträglich, erst 100 Jahre später, aufgerichtet worden sein — wird vielleicht einer Frauenabteilung gedient haben. Was uns in dieser Synagogenanlage besonders auffällt, ist die Behandlung der Westwand. Wir haben jetzt gewöhnlich den Eingang in der Westwand. Der Sitz des Vorstehers aber befindet sich bei uns im östlichen Teil des Raumes, in dem besonderen Bezirk, der durch den Standort des Hl. Schreines (in der Mitte der Ostwand) geheiligt erscheint. Indessen sind in der Synagoge in Delos keine Spuren eines Aron ha-Kodesch gefunden worden. Er konnte aus Holz, einem vergänglichen Material, gewesen sein, die Vermutung liegt nahe, daß er überhaupt noch keinen festen Standort gehabt hat. Man brachte den kleinen Kasten mit den synagogalen Rollen zum Gottesdienst aus einem Aufbewahrungsraum herein, wie das in der antiken Synagoge in Naro (jetzt Hamam-Lif), in Ägypten, der Fall gewesen zu sein scheint, wo ein besonderer kleiner Raum entdeckt worden ist, der, nach der Inschrift auf dem Mosaikfußboden zu urteilen, dieser Bestimmung gedient hat. Der Archisynagoge saß in der delinischen Synagoge also an der Westwand, mit dem Gesicht nach Osten, nach Jerusalem gewendet. In Naro hat der Archisynagoge sogar in einer in der Mitte der Westwand eigens gemauerten Nische gesessen. Diese Synagoge wird schon dem dritten bis vierten Jahrhundert zugesprochen. Allerdings gibt in Naro zu denken, daß der Aufbewahrungsraum für die Rollen in den östlichen Teil des Gebäudes, angrenzend an die Ostwand, gelegt ist. Aber die Darstellungen auf dem Mosaikfußboden im Hauptraum sind nur vom Sitz des Archisynagogen aus zu betrachten, so wie die Inschrift auch nur von der Westwand aus zu lesen ist. Der Sitz des Archisynagogen beherrscht auch hier den Raum. VV enn wir uns nun von den Synagogen der Diaspora zu den auf palästinensischem Boden entstandenen Synagogen wenden, zunächst zu den antiken Synagogen in Galiläa, die uns durch die Publikation von H. Kohl und C. Watzinger, 1916, erschlossen worden sind, so sehen wir da eine vom modernen synagogalen Standpunkt ganz überraschende Grundrißanlage. Wir finden hier den Eingang in der Jerusalem zugewendeten Wand — in Galiläa ist es die Südrichtung — vor. Aber für den mit den Grundrissen der Synagogen in Delos und Naro Vertrauten, hat die Anlage nichts Ungewöhnliches. Auch in Naro hat es Ausgänge