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Menorah · 1930-11-01 · Heft 11-12 (November 1930) · p. Seite 537

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 11-12 (November 1930)
Article
Schalom Asch erzählt sein Leben
Date
1930-11-01
Page
Seite 537 (sequence 27)
Language
German
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SGHALOM ASCH ERZÄHLT SEIN LEBEN 537 Als ich von der anstrengenden Europa-Reise nach Amerika zurückkehrte, erlitt ich einen Nervenzusammenbruch. Die Arzte sandten mich wieder nach Europa. Meine angegrilTenen Nerven brauchten Ruhe und ich ließ mich in einer kleinen Rheinstadt nieder. Dort schrieb ich meinen Roman „Die Mutter". In Paris entstanden dann die Romane .,Der elektrische Stuhl" und ,,Chaim Lederers Rückkehr". Schon längst hatte ich den Plan, ein größeres Werk zu schallen, das die Ideen und Strömungen meiner Zeit und meines Milieus wiedcrspiegeln soll. Man kann nur darüber schreiben, wovon man etwas weiß; und ein Werk zu schreiben, das alles enthält, was ich weiß, was ich in den stürmischen Zeiten erlebt habe, die unserer Generation beschieden waren, —- das war mein langgehegter Wunsch. Um ihn zu verwirklichen, unternahm ich im Jahre 1928 eine Reise nach S o w j e trußland. Dort hat der russische Staatsverlag „Fabrijka i Semki" meine Hauptwerke zur Veröffentlichung in russischer Übersetzung von mir erworben. In Amerika und England sind viele meiner Bücher in englischer Übertragung erschienen und soeben bereitet der amerikanische Verlag Liveright eine englische Gesamtausgabe meiner Werke vor. Eine hebräische Ausgabe ist in dem von dem berühmten Dichter Rialik geleiteten hebräischen Verlag ,,Dwir" in Tel-Aviv (Palästina) erschienen. In Deutschland geriet ich seit dem Kriege fast völlig in Vergessenheit. Die ältere Generation erinnerte sich gerade noch meines Namens im Zusammenhang mit dem einstigen Erfolg von „Gott der Rache": ..Schalom Asch," — hieß es — ,,aha, das ist der Mann, der ,Gott der Rache' gemacht hat!" Als hätte ich seither keine Zeile mehr geschrieben ... So blieb es, bis der Verleger Paul Z s o 1 n a y, der mir herzliches Interesse entgegenbrachte und voll warmer Freundschaft sich meiner annahm, mich beim deutschen Lesepublikum wieder zum Leben erweckte. Uber seine Aufforderung und auf Zureden von Stefan Zweig habe ich mich entschlossen, diese unnützen, nur von mir selbst prahlenden Zeilen zu schreiben — für jenen fünfzigsten „Geburtstag", den — meine Frau mir geschenkt hat . . . Wenn ich nun auf mein Leben und meine Arbeit zurückblicke und mich frage, woher ich die Kraft nahm, um mich aus der Tiefe zu erheben und das zu werden, was ich bin, — so muß ich sagen: Zu allererst habe ich alles der menschlichen Güte zu verdanken und der Menschenliebe, der ich das Glück hatte, bei jedem Schritt meines Lebensweges zu begegnen. Das drückte meinem Charakter und meinem Schaffen einen unauslöschlichen Stempel auf. Ich bin tief durchdrungen

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