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Menorah · 1930-11-01 · Heft 11-12 (November 1930) · p. Seite 527

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 11-12 (November 1930)
Article
Schalom Asch erzählt sein Leben
Date
1930-11-01
Page
Seite 527 (sequence 17)
Language
German
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SCHALOM ASCH ERZÄHLT SEIN LEBEN 527 redeten mir zu, ich möge vom Hebräischen lassen und den Versuch machen, in der jüdischen Volkssprache, dem Jiddischen zu schreiben. An diesem Tage schlössen wir drei einen Bund fürs ganze Leben. Ich kehrte in mein Städtchen zurück und ging ernsthaft daran, jiddisch zu schreiben. Eine neue Welt tat sich vor mir auf. Die Bilder ilogen mir nur so zu und nahmen vor meinen Augen Gestalt an, mühelos flössen die Worte aus meiner Feder. Die fertigen Skizzen sandte ich Perez ein. doch ich erhielt keine Antwort. Im „Städtchen" litt es mich nicht länger - es zog mich zu den neuen Bekannten in Warschau, zu Nomberg und Reisen. Am Jahrhundertende reiste ich zu meinen Eltern, um Abschied zu nehmen, und kurz darauf übersiedelte ich auf gut Glück nach Warschau. An einem Sabbatnachmittag stand ich wieder mit pochendem Herzen vor Perez. Diesmal las ich ihm eine Kindergeschichte vor, die in jiddischer Sprache abgefaßt war. Sie geliel ihm und er empfahl sie dem Redakteur der einzigen jiddischen Wochenschrift ,,Der Jid". Ich bekam das erste Honorar, sieben Rubel (die sofort zwischen mir und ineinen neuen Freunden geteilt wurden) — und war Schriftsteller. Die gesamte jiddische Literatur verfügte damals über eine einzige Wochenschrift. Da es im Zarenreich verboten war, jiddische Druckwerke herzustellen, wurde das Blatt in dem zu Österreich gehörenden Krakau gedruckt. Große Schriftsteller, wie Mendele Mocher Sforim, Scholem Alejchem, Perez, der geniale Lyriker Morris Rosenfeld veröffentlichten ihre Werke im .,Jid"; selbstverständlich blieb für junge Anfänger wenig Raum übrig. Im ersten Jahr meines Warschauer Aufenthaltes brachte ich nicht mehr als die erwähnte Erzählung unter, meine gesamten Honorareinkünfte betrugen sieben Rubel — und die waren längst verzehrt. Nun begannen Jahre des Hungers und der Not. Ich wohnte zusammen mit Abraham Reisen in der Werkstatt eines armen Tischlers, der uns gestattete, bei Nacht ein Bett aufzustellen. Bei Tag streiften wir beide wie zwei hungrige W^ölfe durch die Straßen. Der einzige in unserem Dreibund, der etwas verdiente, war Nürnberg, da er eine Stelle als Privatlehrer hatte. In rührender Kollegentreue teilte er mit uns jeden Abend sein bißchen Brot und Tee. Doch bald verlor er seine Stelle — und dann waren wir genötigt, allerhand Dinge zu tun, die man sich lieber nicht ins Gedächtnis zurückruft . . . Wir aßen in Volksküchen oder gar nicht, schliefen oft unter freiem Himmel. Von Zeit zu Zeit gelang es wohl, eine hebräische Erzählung in dem hebräischen Tagblatt „HazefiralV unterzubringen, jiddische Literatur abzusetzen war jedoch unmöglich. Wir aber waren schon damals über-

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