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Menorah · 1930-11-01 · Heft 11-12 (November 1930) · p. 511

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 11-12 (November 1930)
Article
Schalom Asch erzählt sein Leben
Date
1930-11-01
Page
511 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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MENORAH VIII. JAHRGANG NOVEMBER/DEZEMBER 1930 NUMMER 11/12 SCHALOM ASCH ERZÄHLT SEIN LEBEN Vorbemerkung der Redaktion: Der große jüdische Erzähler Schalom Asch hat soeben sein fünfzigstes Lebensjahr vollendet. Von seinem Jugendwerk, dem Schauspiel „Der Golt der Rache" beginnend, haben alle seine Bücher, die Erzählungen aus dem „Städtchen", die Novellen „Der elektrische Stuhl" und ,.Die Zauberin von Kastilien", die Romane „Die Mutter", „Glaubensmarlyrium", „Motke der Dieb", sowie sein letztes und größtes Werk, die zu der Trilogie „Sintflut" vereinigten Romane „Petersburg", „Warschau" und „Moskau" weit über die Grenzen seiner Heimat und Sprache hinaus nicht nur Beachtung, sondern geradezu Volkstümlichkeit erworben. Dieser Sohn des osteuropäischen Ghettos, der heute in der europäischen Literatur ansehnlichen Rang einnimmt und dem eigenschöpferischen Judentum Geltung und Ansehen verschafft hat, erzählt im nachfolgenden sein Leben. Die Kämpfe einer Jugend gegen die Ghettoenge, das Ringen um eine Sprache für dichterisches Schaffen, der schwierige Weg ins Freie sind in dieser autobiographischen Skizze Asch" anziehend und erschütternd zugleich dargestellt. Dieser „Rückblick" des Dichters ist — weit über das Persönliche hinausgehend — ein Einblick in die jüdische Zeitgeschichte. Wir glauben den 50. Geburlstag Schalom Asch' am würdigsten zu feiern, indem wir unseren Lesern dieses menschliche Dokument von größtem Wert in deutscher Übertragung vermitteln. RÜCKBLICK Von Schalom Asch Copyright by Paul Zsolnay Verlag, Wien (Nachdruck verboten.) Das Stück Erde, auf dem ich geboren wurde, zeichnet sich nicht durch besonderen landschaftlichen Reiz aus. Es ist einförmige Ebene, doch arbeitsam wie das Rind seiner Äcker, die im Winter hoch mit wärmendem Schnee, im Sommer dicht mit den lichtgelben Ähren reifen Brotgetreides bedeckt sind. Das Land ist arm an Wald, noch ärmer an Wasser. Und doch trage ich das einförmige Bild dieses Hachen Landes ebenso in mir wie das ehrliche Gesicht meines Vaters; und ich m u ß es von Zeit zu Zeit besuchen wie meine alte Mutter, muß seine Luft einatmen. Aber ein Blick darauf genügt mir. Dieses Stück Erde liegt in Masovien in Polen. Es grenzt auf einer Seite an die märchenumwobenen, mit düsteren Pappeln umsäumten Torfwiesen der Provinz Kujavien, aus der meine Mutter stammt; auf

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