Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1930)
- Article
- Rassenkunde des jüdischen Volkes
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 498 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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498 MENORAH heutigen Juden erklären — beruht auf einem doppelten Irrtum. Zunächst ist auch der Begriff „arisch" nur ein sprachlicher; „Arier" gab es als Rasse weder in alter Zeit, noch gibt es solche heutzutage; es ist nur ein leeres Wort ohne klaren Bedeutungsinhalt. Sodann gehörten die Amoriler sicher zum semitischen Sprachstamm und unterschieden sich nur dialektisch von den Kaananäern und Hebräern in dieser Hinsicht. Schließlich weiß kein Mensch, ob es bei den Urjuden schon blonde Leute gab. Avie Günther nachweisen will; nach dem heutigen Befund in Palästina ist das überhaupt nicht anzunehmen. Es gibt dort unter den Eingeborenen keine hellfarbigen Elemente in nennenswerter Zahl. Noch mehr in die Irre geht Günther, wenn er nach älterem Vorbild den einzelnen Rasscnkomponciilen geistige Eigenschaften zuschreibt; so sei die vorderasiatische Rasse, zu der neben Juden noch Armenier und Syrer gehören, durch ihren „Geschäftsgeist" ausgezeichnet. Man sieht, wohin diese Feststellung führen soll! Man schreibt den Juden allerhand Eigenschaften zu und findet sie bei einer der Rassen, die in ihnen stecken, wieder! Um das Buch übrigens zu füllen, werden neben der vorderasiatischen und semitischen Rasse noch die Sumerer, Ägypter, Philister, Äthiopier, Neger. Hottentotten, KafTern usw. eingehend behandelt. Zwischen Juden und Hottentotten werden sogar gemeinsame Züge nachgewiesen, indem das Bild eines Iloltentottenhäupllings neben das von Disraeli gesetzt wird. Vorgänge, über die man <ur sehr wenig wissen kann, wie die Yermi.scuung der Hebräer mit den Kanaanitern, wenden auf 20 Seiten breitgetreten. Ganz willkürlich ist die rassenkundliche Deutung der zahlreichen Porträts. Die Preisfechterin Helene Meyer aus Odenbach und eine ungarische Schönheitskönigin sind ,.vorwiegend nordisch". Sonst sind die Bilder von Juden vorwiegend orientalisch und vorderasiatisch", bei größerem Wohlwollen Günlher's kriegen sie noch eine Dosis „alpin". ..ostisch'\ ,,ostballisch" und dergleichen ab. Dabei passieren dem Verfasser allerlei lustige Verwechslungen; so werden. Max Bruch, der Komponist des Kol nidre, und der französische Großindustrielle Loucheur zu Juden gestempelt; der samaritanische Hohepriester aus Nablus wird zu einem jüdischen Hohepriester in Jerusalem (ein schlimmer Anachronismus für jemand, der über jüdische Rasse schreiben will) und dergleichen mehr. Ganz willkürliche und tendenziöse Deutungen gibt Günther in den Abschnitten: Bewegungen und Gebärden der Juden; das Mauscheln; das Lispeln; Geruchliche Eigenart; in denen Einzelerscheinungen in unzulässiger Weise verallgemeinert und falsch gedeutet werden. Das letzte Kapitel des Buches: die Judenfrage, ist so recht eine Konzession an den Geist des Publikums, für das Günther schreibt Darin wird drie schädliche Einwirkung der Mischehen und des jüdischen Geistes auf die Kreise, die mit Juden in Berührung treten, nach bekanntem Muster in längereu Ausführungen nachzuweisen gesucht und schließlich will der Verfasser gar in „rassescelischen" Gegensätzen die Wurzel des Antisemitismus (wofür er lieber ...Tudengegenerschaft" sagt) nicht mehr in religiösen und wirtschaftlichen Gründen finden. Aber bald darauf macht die Überfremdung der abendländischen Völker durch Einwirkungen des politisch-wirtschaftlich übermächtig gewordenen Judentums — wo ist das außer in der Einbildung der Judengegner tatsächlich der Fall? — noch den Kern der Judenfrage aus. Also schließlich doch wieder wirtschaftlicher Neid? Unklar wie die Grundlage des Buches ist somit auch sein Höhepunkt Ein dauerndes Lavieren zwischen Tatsächlichem, Phantastischem und den Wunschbildern seiner Leser charakterisiert es in .allen Teilen, die nicht ausschließlich historischen Inhalts sind. Man darf das Buch demnach als einen mißlungenen Versuch charakterisieren, ein Problem lösen zu wollen, das mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln nicht zu ergründen ist Aber das Belrübendste ist, daß der Verfasser dies wissen mußte und sein Buch trotzdem geschrieben hat 5. Feist