Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1930)
- Article
- Rassenkunde des jüdischen Volkes
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 497 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2912821-2912900-2912906-2925728--09542-2925892- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
RASSENKUNDE DES JÜDISCHEN VOLKES 497 kurz, nach der Haar- und Augenfarbe, nach der Körperhöhe in Unterabteilungen, zu zerlegen. Auch das könnte man im Prinzip zugehen, wenn diese Unlerrassen scharf zu scheiden wären. Aber hier liegt die Schwierigkeil. Abgesehen von den Vermischungen an den Lötstellen der verschiedenen Unlerlypcn ist die .Menschheit Vorderasieus und "Kuropas, die bei diesen Untersuchungen zunächst in Betracht kommen, seit vorgeschichtlicher Zeil in steler Bewegung gewesen oder es sind Teile von ihr durch Kriege und Eroberungen künstlich verpflanzt worden. Dafür sind gerade die .luden ein klassisches Beispiel. Von den. Assyrern, den Babyloniern, den Römern wurden erhebliche Mengen von ihnen deportier!; ihre Volksvermehrung zwang sie ohnehin zur Auswanderung und schließlich verloren sie ihr Land und belinden sich seit last zwei Jahrtausenden in dauernder Wanderung, die sie nach allen Teilen der Well führte. Wie will man das so entstehende Bassengemisch entwirren? Zugegeben, die Juden hielten theoretisch auf Reinhaltung ihres Blutes, verstanden es auch, sich fremde Elemente zu assimilieren; aber stärker als alle religiösen Vorschriften ist die Natur, und so kommt es, daß selbst wesl- und osteuropäische Juden sich erheblich in ihrer Struktur unterscheiden, die sephardischeu Juden wieder eine (iruppc für sich bilden, ganz zu schweigen von den jemenitischen, indischen, chinesischen, Neger jii'den in Abessinien und anderen Splittern. Man kann alle diese;uich äußerlich so verschiedenen jüdischen Stämme nichl als ethnische Einheil auffassen, mögen sie auch manche gemeinsame Züge haben, so wenig wie man etwa die europäischen Völker als ein homogenes Ganze ansehen darf, weil sie sich von den Asiaten unterscheiden. Der schon genannte Blumenbach war im Irrtum, wenn er glaubte, einen jüdischen Schädel nachweisen zu können, und nicht minder irren moderne Rassenschriftsleller, die es unternehmen, die jüdische Rasse zu erfassen. Wenn es schon die größten Schwierigkeilen macht, das deutsche Volk in seine rassischen Komponenten zu zerlegen, obwohl es seit rund 1500 Jahren in seiner Hauplmenge auf einem umgrenzten Gebiet konsolidiert ist, wie will man dies Ziel bei einem Menschenschlag erreichen, der sich seit so langer Zeit in unablässiger Bewegung befindet. Ms ist klar, daß der Versuch, eine Rassenkunde des jüdischen Volkes zu schreiben von einem wirklichen Wissenschaftler nicht unternommen werden kann. Wenn Günther also eine solche schreibt, so muß er andere als wissenschaftliche Gründe haben. Obwohl er sich nun ein solches Mänlelchen umhängt und vorgibt und wohl auch vorhat, ganz objektiv zu schreiben, ist dies Vorhaben nicht ausgeführt worden. Einmal, weil das unmöglich ist. wie wir gesehen haben; sodann weil Günther im Dienste eines tendenziös eingestellten Verlags (J. K. Lehmann in München) sieht und gewissen Volkskreisen zufiel) sein Buch geschrieben hat. Es muß übrigens betont werden, daß seine deutsche Rassenkunde, die von den Wissenschaftlern als verfrüht bezeichnet wird, aus denselben Motiven heraus erwachsen ist. Schon der Titel seines Buches über die Juden entspricht übrigens nicht dem in der Einleitung aufgestellten Programm. Der Verfasser verspricht eine Rassenkunde. Aber er betont alsbald, daß die Juden keine Rasse, sondern ein aus verschiedenen Bestandteilen sekundär erwachsenes „Volkstum" seien. Aber auch in dieser Einschränkung trifft er nicht das Richtige. Wenn die Juden in der Diaspora in der Tal zu einem neuen Volkstum geworden wären, so könnte dies nach Lage der Dinge kein einheitliches sein, mögen auch gemeinsame Züge, die sich übrigens eher aus der Lebensweise auf Grund der Religion erklären, vorhanden sein. Verfolgt man im einzelnen die Ausführungen Günthers, so stößt man in dem Kapitel über die Komponenten der jüdischen Rasse im allen Palästina neben den Semiten — N. B. nur ein sprachlicher Begriff — und Ilelülcrn auch wieder auf die .,arischen" Amoriter. Diese tendenziöse Aufstellung — man will so das blonde Element unter den