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Menorah · 1930-09-01 · Heft 9-10 (September 1930) · p. 473

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 9-10 (September 1930)
Article
Camillo Pissarro
Date
1930-09-01
Page
473 (sequence 1)
Language
German
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CAMILLO PISSARRO Anläßlich der Zentenarf'eier von C:i,mille Pissarros Geburtstag, die in diesem Jahr statthat, organisierte der französische Staal eine Kollektivausstellung seiner Werke, die über den Weg und die Bedeutung dieses Künstlers reichen und wohl endgültigen Aufschluß gibt. Sie niachl tatsächlich einen imposanten Kindruck, denn ungeheures Talent und ehrliches, unermüdliches Streben ist in den WTerken zu spüren. Ob jedoch diese Veranstaltung erreichen wird, was sie anstrebt, ob es ihr nämlich gelingen wird. Pissarro in den Rang der allergrößten Impressionisten zu heben, ist noch fraglich. .Jedenfalls dürfte sie zur Klärung des seltsamen. Tatbestandes beilragen, daß er, der der Hauplinilialor und Vorkämpfer des Impressionismus gewesen ist. sich am schwersten und als letzter von all seinen Kameraden durchzusetzen hat. (Mamille Pissarro ist in einem exotischen Landstrich auf St. Thomas im polynesischen Archipelag -- als Sohn jüdischer Ellern geboren. Schon in seiner südlichen Heimat malle er viel nach der Natur. In Paris, wohin er als .Jüngling übersiedelte, lernte er von den großen Meistern jener Zeil: Courbel. Dclacroix, Daubigny und insbesondere von Corot, dessen Schüler er sich selbst nennt. In der Tal sind seine: Arbeilen aus jener Zeil von Corof sehen Bildern kaum zu unterscheiden. Wie diese schwelgen auch sie in graugrünen Tönen und vermitteln durch die Harmonie von kleinen Intervallen und das Spiel zarter Übergänge, die ihnen eignen, den Eindruck von Buhe und Sanftheit. J)ie Werke fanden viel Anklang und passierten die .Jury des Salons. Doch als er fortfuhr, im Freien zu arbeilen, veränderte sich seine Malerei. An das glühende Licht seines 1 leimallandes gewöhnt, sah er die Gegenden unserer Zonen anders, als es seine Kollegen taten, und bemerkte in ihnen Farben, wo jene keiner gewahr wurden. Die Zwischenlöne nahmen seither in seinen Bildern immer mehr ab. die Farben gewannen an Reinheit und der Pinselslrich ward energischer. Durch entsetzte Abweisung trug die .Jury dieser Wandlung Rechnung. Pissarro mußte im Salon der Relüsierlen Zuflucht suchen. Inier andern Kelzern waren Mauel. Monet und Renoir dort seine Leidensgenossen. Den nächsten folgenschweren Abschnitt des besclirillenen Weges legte er mit Monet zurück, mit dem er sich in London, wo sie beide im Jahre 70 als Immigranten weilten, zu enger Kameradschaft verband. Von Turner und wollt noch mehr von dem nebligen Londoner Licht beeinflußt, das seinem im Süden gebildeten Sehvermögen ungeahnte Empfindungen vermittelte, vollendete er hier die Wandlung, die sich schon in Paris Bahn brach. Die impressionistische Malart, deren Bestreben dahin ging, das Flimmern und Flulen von Licht und Luft und die komplizierten Farbenefiekte der Dinge wiederzugeben, ward damit geboren. Doch obwohl mit Monet Schöpfer dieser Richtung und ihr Bekenner sein Lehen, lang, ging Pissarro nie so weil wie der andere und bald trennten sich die Wege beider Freunde. Monet zog aus seinem Prinzip alle Konsequenzen und malte bald Bilder, in denen vor lauter Earbigkeit keine Farbe und keine Gegenstände mehr bestehen blieben, sondern nur ein farbiger 'Gniebel, dessen Geschöpf alles zu sein scheint. Pissarro aber verstieg sich nie zu solch abstruser und zugleich grandioser Anschauung, vergaß nie, daß die Teilung der Farbtöne eine ledigliehe Methode ist und hielt sich stets an die ..Wirklichkeit". Noch schärfer gestaltet*' sich der Gegensatz zwischen ihm und anderen Impressionisten, nicht nur Monet, als er daran ging Menschen darzustellen. Denn da die Bewegungen seiner Figuren bei all ihrer "Lebendigkeil nicht wie bei den Impressionisten üblich, den Charakter der Momentaufnahme trugen, da sie gezeichnet und nicht bloß umrissen waren und da die Körper untflutet von Luft, wie sie sind, doch festes Volumen besitzen, bekam er von seinen Genossen den bitteren Vorwurf der Rüeksländigkeit zu hören. Von der Kritik als Impressionist aus-

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