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Menorah · 1930-09-01 · Heft 9-10 (September 1930) · p. Seite 457

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 9-10 (September 1930)
Article
Eine Geschichtslüge
Date
1930-09-01
Page
Seite 457 (sequence 14)
Language
German
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EINE GESCHICHTSLÜGE 457 geborener Jude sei, über die Religion eines anständigen Menschen habe". Dennoch scheint Süß, allerdings vorsichtig, mit dem Volke, dem er entstammte, Verbindung gesucht zu haben. Ein Angebot angesehener Juden, den Verhafteten gegen ein Lösegeld von 50.000 Gulden (etwa 500.000 Mark heutiger Währung!) auf freien Futö zu setzen, wird unter anderem mit Oppenheimers ,,Mildherzigkeit gegen Unglückliche" begründet; Süß ließ übrigens auch in Stuttgart eine jüdische Garküche errichten. Anderseits ist wieder bezeugt, daß er von der Frankfurter Judengemeinde aus nicht näher bezeichneten Gründen vorübergehend ausgeschlossen wurde. Oppenheimer hat im Jahre 1736 beim Herzog durchgesetzt, daß es ihm gestattet werde, eine Anzahl von J u d e n i m L a n d e W ü r 11 e m b e r g anzusiedeln; seither wohnen Juden, die bis dahin nur in den drei Orlen Gochsheim, Aldingen und Freudenthal geduldet waren, auch im übrigen Württemberg. Im Gefängnis wurden zahlreiche Bekehrungsversuche an Oppenheimer vorgenommen, unter anderem von dem Lektor der orientalischen Sprachen an der Universität Tübingen, Christoph Bernhard, einem getauften Juden und wütenden Antisemiten; Süß w i e s alle diese A nsin n e n z u r ii c k. Dem Stuttgarter Pfarrer Rieger antwortete er bei dieser Gelegenheit mit dem schönen männlichen Satz: „Seine Religion zu ändern ist Sache für einen freien Menschen, aber einem Gefangenen steht das übel an.'* Am Tage vor seiner Hinrichtung beging Joseph Süß die Jahrzeit für seinen Vater und sprach das jüdische Sündenbekenntnis. Er setzte vor jüdischen Zeugen ein Legat f ü r S y n a g o g e n aus, damit gelehrte Männer für seine Seele beten, die Thora studieren und ein Jahr lang ein Seelenlicht für ihn brennen lassen sollten. Die Juden hielten auch das Andenken an Süß Oppenheimer lebendig, obwohl seine Hinrichtung und der im Lande eifrig geschürte Judenhaß sie in schwere Sorge um ihre Existenz bringen mußten. Durch ein g e d r u c k t e s F r a n kf u r l e r M a n i f e s t an die Judengemeinden des Landes wurde Süß' Name unter die .,I\YdoschinV' ( Glaubensmärtyrer) aufgenommen. Das Manifest scheint später unter dem Einfluß der Behörden offiziell unterdrückt worden zu sein, doch in vielen Gemeinden wurde der 1. Februar, Oppenheimers Todestag, lange Zeil als Bu 1.1- und F a s t- 1 a g begangen. Die Juden von Stuttgart stifteten auch an Süß' Hause ein ,.Ner tomid" (--. Seelenlicht). Es kündete lange Jahre das Andenken eines Mannes, dem ein S e h i ck s a 1 im höchsten Sinne des Wortes zuteil geworden.

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