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Menorah · 1930-09-01 · Heft 9-10 (September 1930) · p. Seite 450

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 9-10 (September 1930)
Article
Eine Geschichtslüge
Date
1930-09-01
Page
Seite 450 (sequence 7)
Language
German
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450 MENORAH nannten .,Gralialamtes*' war nichts anderes als die Organisierung des Amterkaufs, wobei allerdings zu bemerken ist, dal.) der Stellenkauf, nur in unorganisierter Form, schon vorher in Württemberg und in allen anderen ■deutschen Fürstentümern üblich war und den Landesherren große Gewinne brachte. Auch das neu eingerichtete ..Fiscalamt*\ wo man drohende Prozesse durch Zahlung einer Geldsumme abwenden konnte, war ein übles Schröpfmitlei großen Stils. Die stärkste Erbitterung erweckte die Einführung einer Abgabe, die im Volksmund allgemein der ...I u d e n g r o s c h e nk* hieß. Da die herzogliche Kasse fast alle einfließenden Gelder an sich zog. waren die lokalen Kassen gewöhnlich leer, so daß die Gehaltszahlungen unpünktlich oder gar nicht erfolgten; daher ordnete der Herzog an. daß die Kassen die für die Gehaltszahlungen nötigen Summen bei seinem Hofbankier aufnehmen sollten: Süß erhielt für diese Darlehen von jedem Gulden einen Groschen, den aber nicht die Staatskasse, sondern — der Gehaltsempfänger zu zahlen hatte! Das war freilich ein arges Wuchergeschäft zugunsten Oppenheimers. Doch muß in Fr wägung gezogen werden, daß Süß diese Methode beim ,..Judengroschen" ist es eindeutig bezeugt - i m A u f t r a g e d e s H e r z o g s anwandte. Finanztechnisch und finanzpolitisch ist seine Fähigkeit, immer neue Geldquellen zu erschließen, beinahe genial zu nennen. Auch sonst war der Geheime Finanzrat eine Persönlichkeit von ungewöhnlichem Zuschnitt und -— wie alle Menschen mit wirklich schöpferischer Begabung -— von unermüdlicher Arbeitsenergie beseelt, ja geradezu besessen. Er arbeitete sämtliche finanzlechnischen Fmhvürfe selbst aus, hielt dem Herzog darüber Vortrag, leitete die Münze, wickelte seine Geschäfte mit anderen Höfen ab (unter anderem war er seit 1734 Oherhofkriegsfaktor des Kurfürsten von der Pfalz und Agent des Erzbischofs von Köln), stand in Geschüftsbeziehung zur gesamten europäischen Handelswelt, mit der er in fast allen europäischen Sprachen selbst korrespondierte, und fand dabei noch immer Zeit, große gesellschaftliche Repräsentation mit prunkvollen Festen zu treiben, zahlreiche Liebesailaren und andere amoureuse Dinge zu pflegen und sein literarisches Interesse — Süß besaß eine ausgesucht gute Bibliothek — zu befriedigen. Natürlich mußte ein so vielseitiger, seiner Zeil und gar seiner bedächtigen schwäbischen Umgebung weit vorauseilender Geist, zumal er Fremder und — Jude war, bald angefeindet werden. Die heimlichen und offenen Gegnerschaften setzten denn auch sehr rasch ein. Beim Herzog freilich konnte man dem ,.hergelaufenen Juden" nichts anhaben: Garl Alexander, ein vorurteilsloser Mann.

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