Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1930)
- Article
- Eine Geschichtslüge
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 449 (sequence 6)
- Language
- German
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EINE GESCHICHTSLÜGE 449 schwingen, den Katholizismus als gleichberechtigte Sfaalsreligion einzurühren und bei der ersten kriegerischen Verwicklung, die sich bieten würde, das Gebiet des Herzogtums zu erweitern. Süß' Finanzpolitik sollte nun dem Herzog die Mittel für diese politischen Pläne schallen. Zunächst übernahm er die Edelmetallieferung für die herzogliche Münze, vom 1. Juli 1734 an erhielt er das gesamte Münzwesen Württembergs in Pacht. Er führte es so ausgezeichnet, daß sich nicht nur ein größerer Gewinn, als veranschlagt worden war, für die h er zo gl i c h e Kasse ergab, sondern, daß zu dieser Zeit die württembergischen Seheidemünzen die besten in Deutschland und überall gesucht waren. Der Herzog dankte Oppenheimer dafür, indem er ihn zum ,,Geheimen Finanzrai" und ,,Cabinetsfiscarc ernannte. Die Militärpolitik Carl Alexanders, die dem vorwiegend agrarischen Lande Arbeitskräfte entzog, erregte starke Unzufriedenheil. Das scheint dem Herzog willkommen gewesen zu sein, da er für seinen beabsichtigten Staatsstreich Unruhe brauchte. Daher b e t r i eb u n d v e r 1 a n g t e er eine Steuerpolitik, die darauf ausging, das Volksvermögen zu zermürben, gleichzeitig aber — zur Bereitstellung der Mittel für seine Pläne — die S t a a t s k a s s e n z u f ü 1 1 c n. Diesen Auftrag erfüllte Süß mit Einsetzung seiner großen wirtschafts- und finanzpolitischen Fähigkeiten. Er erkannte schon damals, daß in der Zusammenballung des zerstreuten und dadurch mit geringem Effekt arbeitenden V olks v e r m ö g e n s der Schlüssel zur Macht lag. Was er tat, um dieses Ziel zu erreichen, hatte ein damals völlig unbekanntes Tempo, für das der moderne Ausdruck „amerikanisch" wohl am besten paßt. Oppenheimer hat. als erster S t a a t s m o n o p o 1 c (zunächst ein Spielkartenmonopol) eingeführt; er kann auch als der Erfinder der L u s t b a r k e i t s s t e u e r und der s t a a t 1 i c h e n Lotterien angesehen werden. Die Regelung des Einkommen- und Erbschaftsstciierwesens, die Errichtung eines allgemeinen Stil'tungsfonds aus dem Vermögen aller frommen Stiftungen geschahen nach Prinzipien, die ihrer Zeit weit vorauseilten und erst in unseren Tagen wieder Anwendung finden. Eine überaus wertvolle Schöpfung Süß1 war das sogenannte ,,ßankali!älsamt'\ eine Art L a n d e s k r e di f bank, die gegen Sicherheitsleistung Kredite gewährte; diese Institution, damals von allen Seiten angefeindet, ist heute überall als notwendiger, ja selbstverständlicher Faktor des Wirtschaftslebens anerkan nt. Allerdings wandte Oppenheimer auch Besteuerungsmelhoden an, die moralisch nicht zu rechtfertigen waren: die Einführung des söge-