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Menorah · 1930-09-01 · Heft 9-10 (September 1930) · p. Seite 432

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 9-10 (September 1930)
Article
Die Batlanim und Karl Marx
Date
1930-09-01
Page
Seite 432 (sequence 10)
Language
German
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432 MENORAH leicht achtzig Jahre alt sein, war aber noch verhältnismäßig munter und rüstig. Reb Schmuel hatte den kranken Heschel sehr lieb gewonnen, tröstete ihn in seinen kummervollen Stunden, und betete, Gott möge ihn doch wieder gesund machen. An einem sonnigen Frühlingsmorgen nahm Heschel seinen alten Freund bei der Hand und führte ihn zum Altar, bis an den Orn-Kodesch14). Heschels Herz war übervoll von Gefühlen, denen er keinen Ausdruck zu geben vermochte. Er fiel dem alten Schames um den Hals und weinte und klagte ohne Worte. Dann ölTnete er die Lade und legte seine zitternden blassen Hände auf die vergilbten Pergamentrollen der heiligen Thora ... Und als könnte er von ihnen nicht lassen, schmiegte er sich ganz dicht an sie heran und bedeckte sie mit leisen Küssen. „Und doch hat Marx recht", sprach er mit bebender Stimme vor sich hin. „Ebenso wie Moses recht hat und seine Lehre die richtige ist, so ist auch die Lehre von Marx die rechte!" Nach diesen Worten fiel er bewußtlos zu Boden und wachte nicht wieder auf. JUDEN Juljan Tu wirrt Dunkel, schlau, bärtig, Mit irrem Bück, In dem eine ewige Angst ist, In dem der Jahrhunderte Erbschaft ist, Menschen, die nichts von einem Vaterland wissen, Weil sie überall leben, Tragische, nervöse Menschen, Vaganten. Sie quasseln, ewig quasseln sie, Fuchteln mit langen Händen, Erzählen irgend welche beängstigende Dinge Und lächeln schlau. Sie besitzen die heimlichsten Geheimnisse In einer Milliarde schwarzer, verschränkter Buchstaben. Diese kranken Wahnsinnigen, Das auserwählte Menschengeschlecht! Die Gottgesalbten! Sie streicheln ihre feuchten Barte 14) Heilige Lade. Und halten über irgend etwas Rat. Immer und immer wieder. — — Einen fuhren sie an die Seite, Einen Anderen in einen Winkel. Sie zittern . . . Die Augen spähen ängstlich, Ob niemand horcht . . . Jahrhunderte ritzten in ihre Gesichter Die schmerzliche Grimasse des Leidens. Denn sie tragen in den Seelen die Erinnerung An Jerusalems Mauern, An ein schwarzes Begräbnis, An Jammerrufe auf Friedhöfen . . . . . . Eine Teufelsmesse. Irgend welche verborgene Verbrechen. (. . . hinter den Fenstern ... an jedem Freitag . . . . . . Vorbeigehende Gojim . . . Schauen hinein durch die Scheiben. . . . Schal Scha-a-a!) (Aits dem Polnischen von I. Bcrman)

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