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Menorah · 1930-09-01 · Heft 9-10 (September 1930) · p. 415

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 9-10 (September 1930)
Article
Jüdische Reminiszenzen aus dem alten Russland
Date
1930-09-01
Page
415 (sequence 1)
Language
German
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MENORAH VIII. JAHRGANG SEPTEMBER/OKTOBER 1930 NUMMER 9/10 JÜDISCHE REMINISZENZEN AUS DEM ALTEN RUSSLAND E i n 1 e i' t u n g Ein Buch von reizvollem Interesse für die jüdische Öffentlichkeit, aus dem im folgenden zwei in sich geschlossene Abschnitte zur Veröffentlichung gelangen, ist demnächst im deutschen Buchhandel zu erwarten: die aus dem hebräischen Manuskript als Auszug bearbeiteten Lebenserinnerungen von Dr. Jakob Issajewitsch Mase, dem angesehenen Moskauer Juristen und Rechtsanwalt, der in jungen Jahren zu dem verantwortungsvollen Amt eines Kronrabbiners von Moskau berufen wurde und diese heikle und zermürbende Stellung dreißig Jahre lang (1893—1924) mit einem solchen Geschick und einem solchen Einsatz von Takt, Klugheit, Tapferkeit und Hilfsbereitschaft versah, daß er als eine der verehrtesten und populärsten jüdischen Persönlichkeiten des vorkriegszeitlichen Rußlands unvergessen bleiben wird. Das alte Rußland überließ eine Reihe von Aufgaben, die der moderne Staat durch seine Zivilverwaltung erledigt, den konfessionellen Körperschaften, so insbesondere alles, was mit der standesamtlichen Beurkundung zusammenhängt, wie die Matrikelführung über Geburten und Sterbefälle, die Vornahme von Trauungen und Ehescheidungen, die Ausstellung der diesbezüglichen Dokumente und ähnliches mehr. Für diese Zwecke wurden von den jüdischen Gemeinden möglichst repräsentative Persönlichkeiten gewählt, die von den staatlichen Behörden genehmigt und als die weltlichen Vertreter ihrer Glaubensbrüder angesehen wurden. Man verhandelte mit ihnen in allen Fällen, in denen staatliche Interessen gewahrt werden sollten, sei es, daß es um Verfügungen und Haftbarmachungen ging, die die ganze Gemeinde betrafen oder um die Ahndung einzelner Individuen aus der betreffenden Gemeinde. Wie Rabbiner Mase es mit bitterer Ironie zu umschreiben pflegte: dem Gemeinderabbiner fiel etwa die Rolle zu, die der Jude inne hatte, der im deutschen Mittelalter von seiner Gemeinde alljährlich dazu bestimmt wurde, die öifentlich erteilten Ohrfeigen auf sich zu nehmen. Der Krön- oder Gemeinderabbiner hatte demnach keinerlei got-

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