Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1930)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 401 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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JUDEN SOLLEN BAUERN WERDEN! 401 Zeltdach gespannt. Die junge Generation, die Zwanzig- bis Dreißigjährigen (Alte gab es nur wenig), begann sich trotz der Not zu vermehren, wie es in der Bibel heißt: „Je mehr sie gepeinigt wurden, desto mehr vermehrten sie sich! .. Aber das Kinderkriegen in einer Blechhütte, sie bei der kärglichen Unterstützung zu ernähren und großzuziehen, war gar nicht so leicht. Darum zogen es die jungen Mütter vor, das Zeitliche zu segnen . . . 'Bald gab es auch keinen Arzt mehr. Dr. Schwarz hielt es kaum von Juli bis September hier aus. Er hatte sich mit der Administration verzankt, wie alle anderen Ärzte, und reiste verbittert ab. Es begann das alte Lied; „Einen Arzt her!" klang es von allen Seiten. Bald war eine Wöchnerin gestorben, bald hatte sich ein Kolonist verwundet; ein anderer war vom Pferde gefallen und hatte sich ein Bein gebrochen .. . Überhaupt waren die Juden, die in der Stadt aufwuchsen, fast alle sehr geschickt im Fallen und Ausgleiten.. . „Gebt uns einen Arzt!" jammerte die ganze Kolonie. Die Administration wandte sich an die Direktion, und der englische Kommandeur, dem jeder Soldat-Kolonist teuer war, ordnete an, daß die Leute mit den Knochenbrüchen von der Administration nach Buenos Aires ins „Hospital Francaise" geschickt würden, und daß die hochschwangeren Frauen sich ein wenig gedulden müßten . . . Die Krüppel wurden daher auf Blech Schlitten verladen und bis nach Algorobo gebracht, von wo sie die Verwaltung in die Stadt schickte. Das wäre noch zum Ertragen gewesen! Es gab aber einen Haken dabei. Wurde der Kolonist geheilt entlassen und kam er endlich mit einem Gipsverhand nach Hause, so mußte seine Familie buchstäblich hungern, denn die Administration zog ihm von der Unterstützung einen Teil der Reise- und Heilungskosten ab, die sie für ihn bezahlt hatte oder zumindest bezahlen mußte! .. . Wir wandten uns dann noch einigemal mit Briefen an den Colonel. Der antwortete, er habe sich telegraphisch an den Baron um einen Arzt gewendet und die Antwort erhalten, daß eine jüdische Ärztin hinausgesandt wurde. Die Unglücksfälle aber wollten nicht ausharren, bis die Ärztin kommen würde ... In der Zwischenzeit starben junge Mütter dahin! Es mußte ein christlicher Arzt aus dem Städtchen Pehuacho, das 60 Kilometer von unserer Kolonie entfernt lag, herbeigeholt werden. Er kam zweimal in der Woche, und mit diesem Arzte füllte sich das Maß unserer Leiden bis an den Rand .. . (Fortsetzung folgt)