Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1930)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 395 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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JUDEN SOLLEN BAUERN WERDEN! 395 das zweite Mal eine von zehn Pesos und für das dritte Mal die Ausweisung aus der Kolonie nach sich. Der letzte Diener der Administration genoß mehr Vertrauen als der geachtetste und fleißigste Kolonist, und diese Unzulänglichkeit ist bis auf den heutigen Tag verblieben. Jenkl Windowski und Kaplan wurden, weil sie das Verbrechen'1 begangen hatten, dem Administrator üble Nachrede zu halten, aus der Kolonie hinausgeworfen. Salonion Trapp und Berl Schwarz wurden wegen des gleichen Vergehens zweimal zu Geldstrafen verurteilt, und beim dritten Male wurde ihre armselige Habe von Gauchos auf Wagen verladen, und sie mußten das Territorium des Barons verlassen. Vor dem Zimmer, in dem sich der Schalter befand, hing ein Plakat mit der Warnung: .,Wer den Gehorsam verweigert oder auch den mindesten Befehl eines Beamten der Verwaltung nicht ausführt, hat eine Geldstrafe zu gewärtigen." Die Peiniger und Aufseher aller Art pflegten sich diesen Ukas zunutze zu machen und quälten uns ohne Erbarmen. Man stelle sich vor: die Unterstützung war so bemessen, daß sie gerade langte, um nicht verhungern zu müssen. Man erhielt acht Pesos für den Erwachsenen und vier Pesos für ein dreijähriges Kind; Kinder unter drei Jahren sollten sich von der Mutter ernähren! Also acht und vier Pesos: der Peso betrug damals etwa einen halben Rubel. Alles war schrecklich teuer. Das monopolisierte Kaufhaus schindete uns die Haut vom Leibe. Man kam am feistgesetzten Tage, um die Unterstützung zu beheben, und da zog man einem fünf oder zehn Pesos als Geldstrafe ab. Wofür? Irgend ein Aufseher habe ihn angezeigt, daß er die Ochsen nicht getränkt, ein Pferd mißhandelt oder die Ehre der Obrigkeit angetastet hätte. Und so sollte man mit diesen armseligen paar Groschen, die einem noch blieben, einen Monat lang sein Leben fristen! Fürwahr, königliche Ehrfurcht beanspruchten die Aufseher für sich! Der ,,schwarze Ägypter" ein kleiner dunkelhäutiger junger Mann namens H. war Goldsmiths bester Inspektor. Das war ein harter, schlechter Kerl! Dieser ,,Ägypter" hatte den Kolonisten das Leben sauer gemacht. Mit blauem Bleistift pflegte er in dem Unterstützungsregister die Strafen eigenhändig zu notieren. Und sobald der Kolonist um sein Almosen kam, fand er eine Strafe von zehn Pesos vor. Dagegen gab es keine Hilfe! Gar manchen der auf diese Weise Bestraften pflegte ich vor dem Q'ueue der Unterstützungskasse wimmernd anzutrelfen: „Meine Kinder werden diesen Monat hungern müssen, der ,Ägypter' hat mich denunziert!" schluchzte der Betroffene.