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Menorah · 1930-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1930) · p. Seite 388

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1930)
Article
Der erste Mensch - der erste Golem
Date
1930-07-01
Page
Seite 388 (sequence 7)
Language
German
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388 MENORAH ,.Wende dich nach vorne und nach rückwärts"; sogleich sei das Wesen zerstört worden. Die Wundergläubigkeit aller Völker — auch das jüdische machte keine Ausnahme — unterstellte diesen auf Mystik und Magie in gleicher Weise beruhenden Stollen Realität, und es ist daher nicht zu verwundern, wenn der Enkel des bereits erwähnten Begründers des Chassidismus, Chacham Z w i, die Frage auf warf, ob ein Golem in einem Minjan (der jüdischen Gebetzehnschaft) gültig zähle oder nicht. Auf der anderen Seite aber steht doch immer wieder das Mysterium der Wiederholung des göttlichen Schöpfungswerkes durch einen Menschen in voller Reinheit diesem naiven Zauberglauben gegenüber. Dies geht deutlich aus der anonymen hebräischen Handschrift „Nifloet Meharal" (Wunder des Rabbi Low) hervor, die anscheinend von einem Zeitgenossen des Rabbi Low geschrieben wTurde und von Chaim Bloch in genauem Exzerpt deutsch wiedergegeben ist. Dort befindet sich detailliertes Material über Ursache, Mysterium und Zweck der Erschaffung des Golem, über sein Tun und sein Ende, alles gewissermaßen sub specie divinatatis gesehen. Vieles von diesem Legendengehalt hat in seiner bereits erwähnten dramatischen Golemdichtung der jiddische Dramatiker H. Leiwik verwendet. Heids Golembuch führt sehr eingehend das Golemmotiv in Parallele mit dem unter allen Völkern verbreiteten Sagenmotiv vom menschlichen Automaten, für das er zahllose Belege liefert, und beschäftigt sich dann eingehend mit der magisch-mystischen Kraft des Schern, welcher in der Golemlegende gewissermaßen Symbol der Schöpfungskraft ist. Die Triebkraft schöpferischer Nachahmung des Göttlichen, die in der Golemlegende ebenso wie in den Automaten geschienten steckt, sieht Held in der menschlichen Fähigkeit des Doppelgängertums. Diese Fähigkeit der Abspaltung eines zweiten Ich, von der sich verblüffende Beispiele finden, gegen welche die exakte Wissenschaft schon mehrfach ratlos angerannt ist, scheint dem Autor des neuen und wertvollen Golembuches der Kernpunkt des Golemproblems zu sein. Der Schreiber dieser Zeilen folgt mit bewußter Absicht Held auf dieser Bahn nicht; es genügt wohl durchaus für die Lösung des Golemproblems der mystisch sublimierte menschliche Schöpfungstrieb. Es scheint nicht notwendig, dem Golemproblem eine auch nur gespenstische Tatsächlichkeit zugrunde zu legen, wie es Held versucht. Der menschliche Schöpfungstrieb und seine Werke sind genug starke Tatsachen.

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