Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1930)
- Article
- Der erste Mensch - der erste Golem
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 384 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2912821-2912900-2912905-2925480--09323-2925634- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
384 MENORAH drin. Dort heißt es: „Raba sagte: Wenn die Frommen wollten, so könnten sie eine Welt e r s c Ii a f f e n; denn es heißt: ..Denn eure Sünden trennten zwischen euch und eurem Gott." Raba schul einst einen Menschen und sandte ihn zu Rabbi Zera; als dieser aber mit ihm sprach und er keine Antwort gab. sprach er: „Du stammst also von den Genossen (du bist von Zauberern geschahen), kehre zu deinem Staub zurück." R. Hanina und E. Oschaj a befaßten sich jeden Vorabend des Sabbats mit dem Studium des B u c Ii e s d e r Schöpfung und schufen ein dreijähriges Kalb, welches sie dann aufaßen.'' Diese beiden Stellen weisen deutlich auf einen zum Golem kreis gehörigen magischen oder mystischen Akt hin. aber aus ihnen allein läßt sich auch schon der Schluß ziehen, den Held durch verschiedene Belege erhärtet, daß nämlich die Golemlegende irgendwie im Zusammenhang mit der Sage von der Erschaffung des Menschen sieht, daß also gewissermaßen Adam der erste Golem war. Aufschlußreich ist der Hinweis der einen Talmudslelle auf das Buch der Schöpfung (Sepher Jezira), welches, wie aus einer Reihe von Sagen anderer Gebiete, so solchen über Maimonides, hervorgehl, in verschiedenen Fassungen vorhanden gewesen sein muß und eine Art Lehrbuch der praktischen Kabbala gewesen sein dürfte, in der die Adepten über die verschiedenen Formen, Schreibungen und Anwendungen des in der praktischen Kabbala verwendeten Gottesnamens, des Sehern, unterrichtet wurden. Der in der jüdischen Mystik hervorstechende s c h ö p f e r i s c h e G e halt des eigentlich unaussprechlichen Gottesnamens spielt auch in der allgemein bekannten Prager Golemlegende, die man gewissermaßen als oberirdische Fassung dieses wahrscheinlich seit langem unterirdisch fortgesponnenen LegendenstofTes betrachten kann, eine wichtige Rolle. Die Verwendung des Goltesnamens deutet auf die enge Verbindung der Golem - Phantasie mit der biblischen Darstellung des Menschenschöpfungsaktes. Außer dem Prager Golem gibt es tatsächlich eine Reihe ähnlicher Gebilde der Sage. Der bekannte Frankfurter Historienschreiber Johannes Jacobus Schudl erzählt in seinen, im Jahre 1714 erschienenen „Jüdischen Merkwürdigkeiten'', in denen er sich sehr ausführlich und mit einer Sachkenntnis, die auf starke, weil über das Ghetto reichende Verbreitung der Sage hindeutet, mit dem Golem beschäftigt: Rabbi Elias, ein Baal-Schern, (wörtlich: einer, der des Gottesnamens mächtig ist) in Polen, habe ebenfalls einen Golem erschallen, der jedoch zu solcher Größe wuchs, daß der Rabbi nicht mehr an seine Stirn reichen konnte, wo das magische Wort „emeth<k