Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1930)
- Article
- Der erste Mensch - der erste Golem
- Date
- 1930-07-01
- Page
- 382 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Der erste Mensch - der erste Golem ölten hat eine jüdische Legende so stark die künstlerische Phantasie befruchtet, wie die Legende vom Golem, jener aus Lehm geformten Menschenfigur, die der Sage nach der Hohe Rabbi Low zu Prag durch magische Kräfte belebt hat, damit dieses Wesen, welches der Rabbi als seinen Diener ausgab, die Judenschaft Prags vor verderblichen Anschlägen der Judenfeinde rette. Es ist aus der Sage bekannt, daß der Golem die Juden Prags gegen eine ßlutanklage zur Pessaehzeit beschützt hat« und ebenso bekannt ist sein Ende, daß er durch Entziehung seiner magischen Kraft wieder zum toten Lehm wurde, nachdem er eines Sabbats seine Riesenkraft gegen die jüdische Gemeinde gekehrt und großes Unheil angerichtet hatte. In den letzten Jahren ist diese Sage für eine Reihe von Erzählungen, Romanen und Dramen künstlerischer und Problem Vorwurf geworden; von den vielen Werken dieser Art seien bloß der Roman von Gustav Meyrink, eine Erzählung ,,Der Diener''* von Karl Baron T o r r es a n i, und die Golemdramen von Artur II o 11 i l s c h e r und IL L e iwik erwähnt. Auch der Film hat sich mehrfach, am populärsten in einer Bearbeitung des Schauspielers Paul W egen er. mit der Golemsage beschäftigt. Dem künstlerischen Interesse parallel läuft das Interesse an dem Problem selbst, welches ja nach der mystischen und mythischen Seite des legendenhaften Vorgangs von der Erschaffung eines Menschen durch einen Menschen überaus anziehend ist. Wertvolle Darstellungen der Golemlegende mit Beziehung auf die ihr zugrunde liegenden Probleme haben Moritz B ermann (bereits im Jahre 1883) und vor einigen Jahren mit ganz vorzüglicher volkskundlicher Kenntnis und symbolischer Einfühlung Chaim Bloch gegeben. In erschöpfender Weise behandelt nun das ganze Golemgebiet der Golemlegende ein neu erschienenes Werk von Hans Ludwig Held*), das von der Auffassung ausgeht, es sei anzunehmen, daß die Gestalt des Golem, die sagenmäßig erst ziemlich spät bekannt wurde, aus einer mythologischen Vorslellungsreihe stammt, die ..als menschliches Gemeingut in den S c h ö p f u n g s m y l Ii e n der verschiedenen Völker und zu den verschiedensten Zeiten wiederkehrt; die jedoch ihre unzweifelhaft vollkommenste Darstellung im h e b r ä i s c h e n M y l h u s gefunden hat". *) Das Gespenst des Golems, eine Studie ans der hebiäischen Mystik mit einem Exkurs über das Wesen des Doppelgängers von Hans Liuhvig Held, i'.>27, Allgemeine Verlairsanstalt, München. Von Siegfried S c h m i t z