Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1930)
- Article
- Im Faltboot über den Geigensee
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 376 (sequence 8)
- Language
- German
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376 MENORAH durch eine Schilfmatte gegen den Wind geschützt und mit ihren weißen Moskitonetzen behängt. Daniel fröstelt. ,,Morgen werde ich Fieher haben", sagt er. als wir spät in der Dunkelheit nach den Betten tasten. Die jüdischen Fischer leiden hier viel an Malaria. Oft müssen sie wochenlang in die Hospitäler nach'Tibei ias gebracht werden. Blaß und geschwächt kehren sie an ihre Arbeit zurück, und nicht wenige gehen an den Anstrengungen ihres Berufes in der Hitze der .lordansümpfe zugrun de. Noch lange liege ich wach und blicke durch den Sehleier des Miickcnnclzes wie durch einen zarten Nebel über mir in die Sterne. Die Schatten der Pappelbäume am anderen Ufer heben sich dunkel gegen den Himmel. Jetzt gehl der Mond über den Moabiter Bergen auf. ein Hund bellt. Der Sturm hat sich mit der Dunkelheil wieder gelegt. Selbst die Wasser des Geigensees sind still geworden. Nur der im Mondlichl. leuchtende Jordan singt leise. Die Nacht und der Wind spielen auf ihm. wie auf der einzigen silbernen Saite dieser gewalligen Geige, ihr schläfriges Lied. Schon in der Frühe sind wir mit den Fischern unterwegs. Überall, wo im Fluß als Kennzeichen an einem Strick die leeren Bierflaschen schwimmen, ziehen wir die mächtigen, aus Draht geflochtenen Bensen aus der Flut. ,Jch habe schon achtunddreit.bg Grad Fieber", sagt Daniel, als wir aulbrechen. ..Willst du dich nicht lieber zu Bell legen?" Kr schüttelt den Kopf. ..Nein, nein . . . ihr könnt die schweren Beiisen allein nicht heben." Zitternd und gerötet sitzt er neben uns auf der Bank und scherzt: aber man fühlt, daß ihm nicht sehr heiter dabei zumute ist. Die Fischer greifen zur Ziehharmonika und beginnen zu singen, während wir weiterfahren. .,Wenn nicht heute, dann wann?" Das alle Lied Hillels tönt wieder über die Flui, zu dem man heute in Palästina ianzt, singt und arbeitet, und es klingt wie eine Anrufung, wie ein Opfergesang an das steinige, rätselhafte und unbarmherzige4 Land. Klatschend schlagen die Schwänze der breiten gebogenen Fische gegen das Gitter, sobald wir die Drahtreusen in die Luft heben. Das