Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1930)
- Article
- Im Faltboot über den Geigensee
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 372 (sequence 4)
- Language
- German
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MENORAH Fiußlauf des Jordan fort. Rohrhütten, eine zerfallene Karawanserei, die Netze und Fischkästen der jüdischen Fischer beleben das Ufer. Al>er schon nach wenigen Augenblicken nimmt die Einsamkeit der Steppe uns wieder auf. Hohe Berberfeigen streckten aus den Flußbuchten ihre stachligen Kaktusblülter. Die Landschaft enthüllt ihr tropisches Gesicht. Dann tauchen die breiten Kücken der Noinadenzelte auf, schwarzbärtige Beduinen hocken in ihren Mänteln am Ufer, wie große Vögel mit geöffneten Flügeln. ..Merhabar (Grüß Gott!) rufe ich hinüber. „Naharak saide!" (Dein Tag sei glücklich!) erwidern sie. Einer hält mir einen frisch erlegten Vogel entgegen. ..Dahl, dahl!" (Komm. komm!... Willst du nicht kaufen?) „Ich kann nicht... wir müssen weiter.*" Der Flußlauf verengt sich, die Strömung nimmt eine reißende Schnelligkeit an. Dichte kleine Wellen verraten den steinigen Grund, aber mit Leichtigkeit durchschneidet das vom Benzindami)!" getriebene - Boot die uns entgegenstürzenden Strudel. Starr neigen sich die Araber über die Böschung. „Makina." makina!*" llüstern sie staunend. .,Makina'\ erwidert es vom anderen Ufer. Dies ist das Zauberwort, mit dem der Araber alle westlichen Erfindungen tauft, und das er mit einem erhabenen Staunen wie den Namen Gottes ausspricht. Die Stromschnellen unter uns verwandeln sich zu einem jagenden Wasserfall. Die Spitze» des Bootes schleudert. Ich gebe Vollgas, aber gleich darauf wird der Boden so dach, daß wir die Schraube einziehen müssen. Wir landen auf einer kleinen Grasinsel in einer stillen Bucht. Ein schwarzer, kraushaariger, nackter Beduine watet uns entgegen, bis über den Nabel im Schlamm versinkend. Wir haben inzwischen durch das Leck so viel Wasser gefaßt, daß alle Kleider, die wir nicht in den Gummibeuteln verschlossen hatten, schon völlig durch tränkt sind. Notdürftig dicken wir den Ritt mit zwei kleinen aneinaiulergeschraublen Holzbrettern, einer ebenso einfachen wie nutzbringenden Erfindung. Dann hebt Tefik sein hemdartiges Gewand hoch, und wir klettern auf seinen Bücken, während er uns durch das Wasser an das andere Ufer an sein Zelt trägt. Es sind Jordanfischer, die hier ihrem einfachen Fischfang nachgehen. Ihre kreisrunden Netze sind am Rande durch angebundene Steine beschwert. Mit wirbelnder Bewegung um den Kopf werfen sie das Netz an einer Leine über die Flut, so daß seine Glocke sich flach