Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1930-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1930) · p. 362

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1930)
Article
Mané-Katz, der "jüdische" Künstler
Date
1930-07-01
Page
362 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2912821-2912900-2912905-2925470--09285-2925612
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Marc Chat/all Aus einer P, hinauswachsend. Heutzutage jedoch und mehr noch in den ersten Nachkriegsjahren, da Originalität als höchster Wert galt, also aueh oherstes Gebot war. mußte man. kaum flügge geworden, sich wie es hieß auf sein Ich hesinnen. Mane-Katz begann also, konse- (juenter- und ehrlicherweise, Juden zu malen. Nun ist aher der Jude als Thema derart von ungeklärten Gefühlen, Gedanken. Vorurteilen. Erinnerungen und Auffassungen überlastet, dal,? Riesenkraft dazu gehört, sich als Herr dieser schweren Situation zu bewähren. Mane-Katz spürte die gesteigerten Ansprüche der neuen Aufgabe und suchte ihnen nach bestem Wissen gerecht zu werden. Mit einem Schlage veränderte sich seine Kunst. Die glatte Malerei der ersten Epoche wich einer aufgewühlten, dick aufgetragenen, die Farbengehung — bisher ruhig — bewegt sich nun in spannungsvollen Kontrasten. Glänzendes Schwarz fehlt nie, Kupierrot. giftiges Grün oder Weiß sind meistens seine heftigen Ergänzungen. Das Format der Bilder wird groß. Diese Werke sind es, die Mane-Kalzens Ruhm begründeten. Diese Werke sind aber zum Erbarmen peinlich. Denn wenn .ludengeslalten von gewöhnlichem Witzblatthabilus überlebensgroß und mit großem Aufwand dämonischer Sehwarz- Üorfjude 191) 'iratsarnmlitng Weiß-Akkorde gemalt und in ein Bild von mächtigem Format eingesetzt werden, dann wirkt das. aller Absicht des Künstlers zu trotz, weder monumental noch tragisch. Die starken Akzente' scheppern hohl wie Kinnchen in einem zu weiten Behälter und liefremdel fragt man sich, warum denn eigentlich so viel Lärm geschlagen wird, um die alltägliche und belanglose Geschichte zu erzählen, daß drei alte .Inden zwei kleinen Jüdlein begegnet sind oder daß ein rotbärtiger großer Jud^ ein Kind;m der Hand spazieren führt. Fmgekehrl. als es so oft bei den guten jüdischen Anekdoten der Fall ist. die. von der Kraft ihrer eigenartigen Sprache gelragen, fast zum Gleichnis werden. ist hier, was Gleichnis sein sollte, zur stilwidrig erzählten Anekdote zusammengeschrumpft. Ähnlich verhält es sich mit Mane-Kalzens Jud'engestalten selbst. Ein Wesen, das Pajes, eine gebogene Nase und große traurige Augen hat, ist zwar in nicht mißzuverslehender Weise als Jude gekennzeichnet, mit künstlerischer Menschendarstellung hat aber diese Art paßmüßiger Beschreibung durch äußere Merkmale wenig gemein. Weil nicht das gesamte Bild Träger des Ausdrucks ist. sondern in einen sachlich gehaltenen Bericht plötzlich pathetische Stellen hineingofü^l

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.