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Menorah · 1930-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1930) · p. 357

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1930)
Article
Israels Erbe und Mission
Date
1930-07-01
Page
357 (sequence 1)
Language
German
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ISRAELS ERBE UND MISSION Von N. Bentwich In der letzten Zeit ist in England eine Bücherreihe publiziert worden, in welcher hervorragende Schriftsteller in verschiedenen Aufsätzen dartun, was die moderne Gedankenwelt der Kultur des Altertums und des Mittelalters verdankt. Die Serie heißt „Das Ererbte" ("The Legacy Series") und bis jetzt sind die Bände „Griechenland", „Rom", „Das Mittelaller" und schließlich „Israel" erschienen. Der letzte Band sollte von Dr. Israel Abrahams herausgegeben werden, dem Lektor der robbinischen Wissenschaften in Cambridge, in der ganzen jüdischen Welt rühmlichst als Gelehrter bekannt. Er starb vor der Vollendung des Werkes, und in die Ausgabe teilen sich nun Professor Edwin Bevan, eine Autorität auf dem Gebiete griechischer Geschichte und Philosophie, und Dr. Charles Singer, Abrahams Schwager und einer der besten englischen Kenner des Mittelalters. Es ist nur in der Ordnung, daß die hebräische Note in der Kultur der Welt wieder durch Gelehrte von Weltruf betont wird. Es kann nicht oft genug gesagt werden, daß die zwei wesentlichen Grundpfeiler dessen, was die moderne Kultur ausmacht, die jüdische Anschauung Gottes und die hellenische Anschauung vom Menschen sind. Professor Lindsay, der Rektor vom Balliol College, Oxford, verweist in seiner Vorrede zu dem Buche auch auf den folgenden Unterschied zwischen dem Erbe Israels und Griechenlands: Israel lebe als Volk fort und man könne, trotzdem es schon in der Vergangenheit einen solchen Beitrag zur Kultur geleistet habe, noch immer Geschenke "inter rivos" von ihm erwarten, wie die Juristen sagen; sein Einfluß könne nicht als erschöpft, als erledigt angesehen werden. Aber das Thema des Buches ist hauptsächlich jener Beitrag, den es in der Vergangenheit unserer Kultur geschenkt hat. Die Verfasser der verschiedenen Essais betrachten diesen Beitrag von mehreren Seiten. Einerseits den Einfluß der Bibel, oder besser, die religiösen Lehren der Hebräer überhaupt. Anderseits die Vermittlung von Philosophie und Wissenschaft zwischen Europa und dem Osten im frühen und späteren Mittelalter. Das erste Thema bearbeitet Sir George Adam Smith, der Verfasser einer historischen Geographie des Heiligen Landes, der aus der Bibel in großen Zügen den religiösen Geist Israels ableitet. Ferner schreiben andere Gelehrte über den Einfluß des Hebraismus auf die hellenische Welt, auf das Christentum, auf den Islam. Schließlich wird noch in einem letzten Aufsatz der besondere Einfluß erörtert, den die hebräische Tradition auf die puritanische Reformation hatte, wie sich das Alte Testament auf diese englische Bewegung des sechzehnten und siebzehnten Jahrhunderts auswirkte. Das Judentum als verbindendes Glied in der Kette der Kulturen wird von Dr. Charles Singer und seiner Frau in einem gelehrten und erschöpfenden Aufsatz behandelt, Sie erzählen von der langen Reihe jüdischer Denker und Übersetzer, die den Arabern die griechische Kultur vermittelten und dann die jüdisch-arabische Philosophie und Wissenschaft der christlichen Welt des Abendlandes überbrachten. In jenen Tagen war es nicht so sehr der Austausch von Waren, den die Juden bewerkstelligten, als vielmehr der von Metaphysik und Naturwissenschaft. Sie waren, wie Dr. Singer sagt, in gewissem Sinne die ersten Europäer, nämlich die ersten europäischen Menschen, die beharrlich und systematisch geistigen Strömungen nachgingen. In einem anderen Aufsatz erzählt ein christlicher Gelehrter von der späteren Entwicklung der Bibelinterpretation und der hebräischen Wissenschaft nach der Reformation; diese Tätigkeit wurde meist von nichtjüdischen Gelehrten ausgeübt. Sie wußten wenig vom Volke der Bibel, aber sie be-

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