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Menorah · 1930-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1930) · p. Seite 351

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1930)
Article
David Golders Tod
Date
1930-07-01
Page
Seite 351 (sequence 7)
Language
German
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DAVID GOLDERS TOD 351 im Gefängnis gesessen. Jetzt bin ich frei. Ich will nach Europa gehen," „Wie alt bist du?" „18 Jahre." „Tja," sagte Golder langsam, ,,fast mein Alter, als ich fortging." „Sie sind ein Hiesiger?" „Ja, doch." Der Junge schwieg. Er rauchte gierig. Im Dunkel sitzend, sah Golder, wie sich seine lebhaften Hände bewegten, die das rote Licht der Zigarette beleuchtete. Wieder sagte er: „Die erste Uberfahrt... Und wohin geht's denn zum Beispiel?" „Erst kommt Paris. Ich hab' in Paris einen Cousin, einen Schneider. Vor dem Krieg hat er sich dort etabliert. Doch wie ich nur ein bißchen Geld hab', geh' ich nach New York! New York," wiederholte er mit Insbrunst, „dort! ..." Aber Golder hörte ihm nicht mehr zu. Er folgte nur spähend mit einem dumpfen und wehmütigen Vergnügen den Bewegungen der Hände und der Schultern des Jungen, der neben ihm stand. Dieses ständige Zucken des ganzen Körpers, diese Stimme, die es eilig hatte und die die Worte verschlang, dieses Fieber, diese junge nervöse Kraft. .. Auch er machte einst diese gierige und üppige Jugend seiner Rasse durch ... Fern lag das alles. .. Plötzlich sagte er: „Du wirst vor Hunger krepieren, weißt du?" „Ach, ich bin's gewohnt..." „Ja, doch dort, es ist viel ärger." „Was kann das schon machen? 's Lst bald vorbei..." Golder lachte auf. Ein trockenes, schneidendes Lachen, wie ein Peitschenknall. Ja, natürlich, so glaubst du, du?... Idiot... Jahre dauert's, Jahre. Und dann ist's im Grunde auch nicht anders. Der Junge flüsterte mit heißer, heiserer Stimme: „Dann. . . wird man reich ..." „Dann krepiert man", sagte Golder, „allein, wie ein Hund, so wie man gelebt hat." Er unterbrach sich und neigte, ein Stöhnen unterdrückend, den Kopf nach rückwärts. Wieder dieser quälende Schmerz in der Schulterhöhle und die Angst, das Herz bleibe stehen. .. Er hörte, wie der Knabe flüsterte: „Ihnen ist nicht wohl? ... Das ist die Seekrankheit..." „Nein," sagte Golder mit schwacher Stimme, die an den Worten stolperte, „ich hab' ein krankes Herz .. . Seekrankheit, siehst du? .. ." Er atmete mühsam. Es tat weh zu sprechen ... es zerriß den

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