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Menorah · 1930-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1930) · p. Seite 342

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1930)
Article
Die Jüdin in der modernen Literatur
Date
1930-07-01
Page
Seite 342 (sequence 23)
Language
German
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342 MENORAH ist ein Frauentyp entstanden, der nicht allein das Recht auf individuelle Persönlichkeit für sich fordert, sondern auch individuell fühlt und selbständig denkt — und all den Gefahren ausgesetzt ist, dem das freie, unabhängige Individuum trotzen muß. Diese Wandlung der jüdischen Frau von der gütigen und aufopfernden Hausfrau zu einem europäisch geschulten, mitunter studierten Menschen, zur Mondänen, zur Geliebten geistig hochstehender Männer, zur politischen Führerin, zur Intellektuellen — diese Emanzipation hat etwas schnell stattgefunden, mußte wohl ein wenig schnell vor sich gehen. Diese plötzliche „shinoei ha-eregin" hat Opfer gekostet, hat in den Sinnlichsten eine unbändige Sensualität, in den Gefühlvollsten eine Schwärmer siehe Empfindsamkeit entfesselt, während die Verstandesmäßigen dadurch zu einem unerbittlichen Intellektualismus gebracht wurden. Aber alle diese Abweichungen blieben in Wirklichkeit Ausnahmen, deren sich die Literatur nur bemächtigen mußte, weil sie nun einmal das Absonderliche, das auf die Spitze Getriebene darzustellen hat, um die darin verborgene Allgemeinbedeutung jedem sichtbar zu machen. Langsam jedoch kehrt Ruhe zurück ins Leben und Schrifttum und wird die jüdische Frau, die dem Mann durch Jahrhunderte hin so kräftig geholfen hat, das jüdische Haus warm zu halten und den Ritus zu bewahren, die in einer vorigen Generation hinter den Maskiliem stand in ihrem Kampf um ein freudigeres und aufgeklärteres Leben und ihm nun als „chaluzah" hilft, sein Land wieder aufzubauen — wird diese jüdische Frau den Tugenden der Ghettobewohnerin zur weiteren Verbreitung verhelfen, eben vermöge ihrer erhöhten Verfeinerung und ihres größeren Wissens. Dann wird sie ihren wärmenden, wohltätigen Einfluß auch im geistigen und künstlerischen Leben ihres Volkes geltend machen, so wie sie jahrhundertelang den häuslichen Herd beschirmt hat. Autorisierte Übertragung aus dem Hob ländischen von Hanns Julius Wille

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