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Menorah · 1930-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1930) · p. 311

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1930)
Article
Der Antisemitismus im Lichte der Psychoanalyse
Date
1930-07-01
Page
311 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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MENORAH VIII. JAHRGANG JULI/AUGUST 1030 NUMMER 7/8 Der Antisemitismus im Lichte der Psychoanalyse üngst hat uns Sigmund Freud ein neues Werk beseherl. eint1 fjr psychoanalytische Soziologie, die er „Das Unbehagen in der Kultur" betitelt, in diesem Buche finden wir eine außerordentlich interessante Anregung zum Verständnis der Erscheinung des Antisemitismus. Freud legt sich die Frage vor. warum eigentlich der Aufbau der menschlichen Gesellschaft notwendig auf dem Wege einer Zielablenkung libidinöser Energien geschehen müsse, und warum nicht die bloße Arbeits- und Interessengemeinschaft die Menschen genügend aneinander bindet. Indem er nun auf die Tatsache der besonders stark betonten christlichen Liebesgebote hinweist, schließt er aus deren Vorhandensein auf die Existenz eines besonderen Aggressionstriebes. Er gibt dann die Antwort: ..Die Existenz dieser Aggressionsneigung, die wir bei uns selbst verspüren können, bei anderen mit Recht voraussetzen, ist das Moment, das unser Verhältnis zum Nächsten stört und die Kultur zu ihrem Aufwand nötigt. Infolge dieser primären Feindseligkeit der Menschen füreinander ist die Kulturgemeinschaft beständig vom Zerfall bedroht. Das Interesse der Arbeitsgemeinschaft würde sie nicht zusammenhalten; triebhafte Leidenschaften sind stärker als vernünftige Interessen/' Also: Die Zielablenkung libidinöser Energien ist erforderlich, um die Menschen aneinander zu binden. Wir finden in diesen Ausführungen eine psychologische Erklärung für die in der Soziologie längst bekannte Grundtatsaehe. daß alle nur denkbaren Gruppen der menschlichen Gesellschaft (Familien. Sippen. Städte, Berufsschichten. Nationen, Völker, Rassen. Altersstufen, Geschlechter usw.) am Anfang feindlich zueinander eingestellt waren und später ihre Gegensätze durch Einsicht in die höheren Interessen der Gemeinschaft ausgeglichen haben. So sprach Walter Rathenaii einmal trelTend vom ..ursprünglich feindlich Fremden", und es ist der Kultlirfortschritt nichts anderes als die sukzessive Überwindung dieses anfänglich gegebenen Zustandes zwischen immer größeren Gruppen der Menschheit. Auch Freud sieht als das Ziel der Kulturentwicklung die Zusam- Von Ewald Böhm

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