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Menorah · 1930-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1930) · p. Seite 306

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Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1930)
Article
Franz Mehring: Zur Literaturgeschichte ... [Rezension]
Date
1930-05-01
Page
Seite 306 (sequence 2)
Language
German
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306 M E N O R A H den, ihr ideegemäß entgegengesetzten, verdankt, wieviel die revolutionäre Doktrin in Weiterführung und Reaktion von gewissen romantischen Gedanken enthält, daß Hegel selbst, der Ahnherr der sozialistischen Dialektik ohne Romantik nicht gedacht werden kann, das hätte gezeigt werden sollen. Allerdings ist die romantische Bewegung nicht gerade geeignet, die Massen mitzureißen: und Mehring schrieb für Arbeiter. Das setzt seine Grenzen und schafft seine Tendenz. Jenseits aller Tendenz aber läßt sich aus diesen Aufsätzen viel Sachliches erfahren, das die offizielle Literaturgeschichte geflissentlich verschweigt, und auch in der Wertung wird manches schiefe, rein ästhelisierende Urleil korrigiert. K. XV'. WALTER. STEINTHAL: DREYFUS. Oesterheld & Co. Verlag, Berlin. Die Ähnlichkeit zwischen den sozialen und politischen Kämpfen, in dem Frankreich des Dreyfusprozesses und im heutigen Deutschland hat auf einmal diese der jetzigen Generalion fast unbekannte Kriminalaffäre wieder aktuell gemacht. Dieser Aktualität dient das Buch Steinthals, das den genialen geistigen Aufstand eines großen Volkes gegen die kleinliche schmutzige Muchination eines in der Machtstellung bedrohten, feudalen und klerikalen Klüngels in kühnen, das Charakteristische meisternden Zügen schildert. Das Drama des Unschuldigen wird zum Prüfstein der Geschichte des Volkes. Durch Klassenundi Rassenhaß entzweit, droht schon der Bürgerkrieg, als schließlich über alle Leidenschaft gereihter und gesunder Lebenssinn siegt und ein erstarktes Nationalgefühl die Wiedergehurt der politischen Macht einleitet. M .r. HANS SOCHACZEWER: MENSCHEN NACH DEM KRIEGE. Paul Zsolnay-Verlag, Wien, Berlin. In diesem Buche gibt es Stellen, die mit scharfem Schnitt das Innere dies heutigen Deutschland bloßlegen, Definitionen und Schlüsse, die durch ihre klare Sauberkeit aufhorchen lassen. Es ist das Deutschland, wie es sich in den Köpfen der Mitkämpfer des Krieges spiegell, jener Menschen, die mit liiem seelischen Schwünge der Jugend den Waffendienst auf sich nahmen und heute als gereifte Männer und Familienväter die politische Entscheidung eines großen Reiches lenken sollen. Brand und Nock waren Schülzengrabenkameraden: der eine kann den militärischen Niederbrueh nicht überwinden, er bleibt in die Feldpsychose eingesponnen, fühlt sich im Hause, in der Familie nur wie auf vorübergehendem Heimaturlaub; der andere, aktiv und entschlossen, hat die Vergangenheit abgestreift. In seinem Berufe aulgehend, will er an der Zukunft seines Volkes auf dien Lehren der Vergangenheit fußend, bauen. In drei reizvollen Frauengeshillen rundet der Dichter dieses nationale Thema glücklich zum persönlichen Erlebnis ab. H—n. SIGRID UNDSET: GYMNADENIA. - Rillten & Loening Verlag, Frankfurt a. M. Ein moderner Roman erzählt von den Illusionen eines jungen Mannes, der in den gesellschaftlichen und religiösen Spannungen unserer Zeit steht. Mit psychologischer Feinheil wird die Beziehung von Mann und Frau, Mutter und Sohn aus dem Erleben der Liebe, aus dem Kampfe ums Dasein entwikkelt. Die Kraft der Dichterin belebt die Menschen, die Natur und die gesamte gesellschaftliche und: gedankliche Atmosphäre, in der sich das alltägliche und große Erlebnis, das Rätsel der Beziehung zwischen Mann und Frau immer wieder neu löst. F—e. AGNES SMEDLEY: EINE FRAU ALLEIN. Frankfurter Societäts-Druckerei. G. m. b. IL Agnes Smedley ist Sprößling eines Farmers, der Indianerblut bi seinen Adern hat. Auf dem Lande aufgewachsen, in den kleinen Städten des Westens Dienstmädchen, Arbeiterin, Wäscherin und Lehrerin, erlebt sie den Jammer der amerikanischen Prolelariersfrau, die schrankenlose Ausbeutung ihrer Arbeitsenergie. Studium und Bildung sollen die Unterdrückung brechen, den Auf-

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