Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1930)
- Article
- Der Bericht der Untersuchungskommission für Palästina
- Date
- 1930-05-01
- Page
- 294 (sequence 1)
- Language
- German
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Der Bericht der Untersuchungskommission für Palästina Von Ernst Davis Die Kommission, die von dem Kolonialami in London zur Untersuchung der Unruhen und ihrer unmittelbaren Ursachen nach Palästina geschickt wurde, kann nicht als ein objektives Richtergremium gewertet werden. Der Verdacht, daß sie einseitig zusammengesetzt wurde, um einen Bericht zu bringen, der die Absichten des Kolonialamtes fördert, ist zu groß dazu. Zum Glück hatte sich die offizielle zionistische Politik, das Mißtrauen gegen die Kommission zu verschweigen, nicht durchgesetzt, sondern schon bei ihrer Einsetzung wurde von jüdischer und nichtjüdischer Seite offen die Behauptung ausgesprochen, daß sie tendenziös zusammengestellt ist. Gleich nachdem die Namen ihrer Mitglieder bekanntgeworden waren, schrieb Vladimir Jabotinsky, der Führer der Zionislen-Revisionisten, im „Doar Hayom". daß die Ernennung von Personen aus dein Krc-ise des Kolonialamtes zum Vorsitzenden und zum Sekretär unmöglich die objektive Untersuchung von Vorfällen sichern könne, durch die das Kolonialamt selbst kompromittiert wurde. In der „Vossischen Zeitung" erschien, noch bevor die Kommission ihre Arbeit begonnen halte, eine Kritik ihrer einseitigen Zusammensetzung von Dr. VV. II. Edwards, dem Londoner Ullstein-Korrespondenten. Darin wurde festgestellt, daß Sir Henry Betterton, das konservative Kommissionsmitglied, niemals Sympathien für das jüdische Xationalheim übrig hatte und Mr. Rhys Hopkin-Morris, der liberale Vertreter, bisher nur durch gehässige, persönliche Angriffe gegen Lloyd George und Sir Herbert Samuel, die beide als Exponenten der prozionislischen Politik bekannt sind, hervorgetreten war. Wir können noch ergänzend hinzufügen, daß Mr. T. I. K. Lloyd, der Sekretär, sich vorher in dem durch und durch antizionistischen Kolonialamt als wütendster Kämpfer gegen die Übertragung der Tote-Meer-Konzession an eine jüdische Gruppe betätigt hatte. Doktor Edwards meinte, das sympathischeste Mitglied sei noch der Arbeitervertreter Harry Snell. Wären diese offenen Kritiken nicht schon unmittelbar nach der Ernennung der Kommission veröffentlicht worden, dann würde man es jetzt kaum wagen können, die Unparteilichkeit dieses Kollegiums anzuzweifeln, obwohl jeden Kenner der Verhältnisse --- aber wie viele Leute sind das im europäischen Publikum? — gerade der Bericht selbst und schon vorher der zweite Teil der Untersuchung skeptisch machen mußte. Denn unsere Gegner hätten dann die wirkungsvolle Antwort geben können: ..Natürlich, jetzt, nachdem, der Bericht schlecht für die Juden ausgefallen ist, beschimpfen sie seine Verfasser. Wenn sie die Kommission wirklich von vornherein für voreingenommen hielten, warum haben sie das dann nicht gleich bei ihrer Ernennung gesagt oder wenigstens bevor man wußte, wie der Bericht aussehen wird?" An den Tatsachen wäre durch diese Antwort freilich nichts geändert worden, die Kommissionsmiiglicder wären deswegen doch geblieben, was sie waren, aber die Juden dann in eine höchst unglückliche taktische Lage gekommen. Sie hätten ihre Behauptung trotz ihrer objektiven Richtigkeit nicht beweisen können. Und darauf, daß man Beweise bringen kann, nicht darauf, daß man die Wahrheit auf seiner Seile hat, kommt es in der politischen Debatte an. Die Intrige des Kolonialamtes hätte noch größere Erfolgsaussichten gehabt. Dieses Beispiel zeigt, wie falsch und gefährlich die überkluge Politik des Vertuschens und der Loyalität gegen den Feind ist, die von den offiziellen Stellen der Jewish Agency und der zionistischen Organisation betrieben