Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1930)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 286 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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286 MENORAH findung ausgezeichnet: „Das ist eine glänzende Kutsche!" sagte der Administrator Wulf lachend. ,,Sie werden mit ihr den Colonel Goldsmith einholen können, der in kurzer Zeit hierherkommen soll." Von den Leuten des Lagers haten einige aus Neid, aufs Land geschickt zu werden, und die Administration entsprach gerne ihrem Wunsche. Die Mehrheil aber revoltierte, schürte den Haß der Kolonisten gegen die Administration und wartete auf den Besuch des Colonels. XXVI. Generaldirektor GoJdsmith. IVIontag, den 12. Mai, kam ein Bote der Administration zu unserer Gruppe 43 und überbrachte uns die Nachricht, daß wir uns andern Tags in aller Frühe zum Empfang des Colonels Goldsmith in Algorobo einfinden müßten. Dort trafen wir alle, mit Kind und Kegel versammelt, an. Sie bildeten Spalier zu beiden Seiten des Weges, der nach Casarez führt, und erwarteten den Gast. Das Spalier war unendlich lang, und Tiracinis Gehilfen ritten wie Gendarmen die Front ab, um die Ordnung aufrechtzuerhalten, .hinge Leute und einige junge Mädchen trugen einen Baldachin, und da* schönste Mädchen, Anita Rosenblum (sie wurde einige Zeit darauf zu sammen mit ihrem Bruder von Goldsmith aus der Kolonie ausgewiesen!), hielt eine Torte in der Hand. Unsere Schächter. mit dem ehrwürdigen Greise Rabbi Hirsch Jakubow an der Spitze, standen neben dem Baldachin, eine Thorarolle tragend. Die Stimmung war wundervoll. Alle standen in solcher Ehrfurcht da, als erwarteten sie einen Monarchen. Der Augenblick nahte. Eine Kutsche, der weiße Pferde vorgespannt waren, rollte heran und hielt unter dem ojicnen Baldachin. ,,Boruch habu!" (Gesegnet sei der Gast!) ..Hurrah!'' dröhnte es aus vielen tausend Kehlen. Im Nu wurden die Pferde ausgespannt, eine dichte Menschenmenge umringte die Kutsche und brachte dem Gaste Ovationen dar. Der Colonel küßte die Thorarolle. verneigte sich höflich vor dem schönen Mädchen mit der Torte und schnitt mit einer Handbewegung den Lärm ab. ,,Seid gesegnet, ihr Brüder!'* rief er mit mächtiger Stimme. ,,Dank für den Empfang!" Er erhob sich und musterte neugierig die vielköpfige Einwandererniasse, die zerlumpt, schmutzig und mit Inningen Gesichtern dastand. Einige Minuten verharrte er so. und jeden Augenblick wechselten die Farben auf seinem Gesichte. Ich hatte ihn damals genau beobachten können. Er war von mitt-