Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1930-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1930) · p. Seite 284

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1930)
Article
Die Mischehe
Date
1930-05-01
Page
Seite 284 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2912821-2912900-2912904-2925206--09131-2925385
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

284 MENORAH Czellitzer hat folgende Relativzahlen für Berlin ermittelt: Auf 100 im Jahre 1906 geschlossene Ehen kamen im Jahre 1927: Bei Juden . .......159 Kinder Mischehen zwischen Christen und Jüdinnen.....05 .. Mischehen zwischen Juden und Chrislinnen .... 47 Die Zahl der Kinder in rein j ü d i s ch e n Ehen war also ungefähr d reimal so g r o ß, als in den Mischehen. Die Synagogengeniein.de Stettin hat pro 1. Jänner 1930 folgendes erhoben: Von 530 rein jüdischen Ehen waren 87 kinderlos, d. i. 10% 59 Ehen zwischen Juden und Christinnen 22 kinderlos, d i. 73% 25 Ehen zwischen Jüdinnen und Christen 11 kinderlos, d. i. 44% Die K inderzahl der Mischehen ist daher um ein Vielfaches g c r i n g e r als die der reinen Ehen. Dazu kommt noch, daß bei dien meisten Mischehen die Partner ein h ö h eres Alte r aufweisen, als hei reinen Ehen, weil einerseits noch Rücksicht auf etwa lebende Eltern oder sonstige nahe Verwandte geübt wird und weil es anderseits gewöhnlich längere Zeit dauert, bis alle Widerstände der Angehörigen gegen die Eheschließung aus dem Wege geräumt sind. Eine Auszählung des Alters der Eheschließeriden der in Preußen in den Jahren 1889 bis 1891 geschlossenen jüdisch-christlichen Mischehen ergab, daß bei den jüdisch-christlichen Mischehen ein geringer Teil der Eheschließenden, und zwar sowohl bei den Männern wie bei den Frauen, auf jüngere als 30 Jahre alte Personen entfiel, als bei der Gesamtzahl der neu geschlossenen jüdischen Ehen, dagegen ein größerer als bei dieser auf die höheren Altersgruppen, insbesondere auf die im Alter von 30 bis 40 Jahren stehenden Personen. Schließlich muß festgehalten werden, daß die Kinder aus Mischehen zum überwiegenden Teil dem Judentum verlorengehen, weil in der Regel der jüdische Partner, der viel leichter die inneren Bedenken und Hemmungen, die dem Eingehen einer Mischehe entgegenstehen, überwindet, in der Folge daher auch leichter dazu zu bringen ist, die Rücksicht auf das Fortkommen der Kinder dem Verbleiben beim Judentum voranzustellen. Leider unterlassen es bisher die meisten jüdischen Gemeinden, nach dieser Richtung hin die statistischen Erhebungen zu pflegen: wo dies aber geschieht. wird unsere Annahme, die lediglich auf der Erfahrung beruht, vollauf bestätigt. So wurde in S t e 1t i n festgestellt, daß von 7 4 Kinder n aus Mischehen 4 7 n i c h t j ü d i s c h erzogen werden, das heißt, daß 63'5% der aus Mischehen entstammenden Kinder b e w u ß t vom Judentum weg erzogen werden, abgesehen davon, daß der andere wohl noch formell im Judentum verbleibende Teil des Nachwuchses naturgemäß nur lose mit ihm in Verbindung ist und meistens in einein gewissen Indifferentismus zum jüdischen Volks- oder Religionsbewußtsein aufwächst. Tendenz und W i r k u n g e n lassen also die Gefahren de r M i s c h e h e u wohl sehr deutlich erkennen, wenn sie auch, rein zahlenmäßig genommen, nicht so bedeutungsvoll erscheinen, und mahnen jeden bewußten Juden daran, daß man die Häufle nicht in den Schoß geben und ruhig zusehen darf, daß vielmehr die Zeit für eine a k t i v e jüdische Bevölkerungspolitik gekommen ist. Literatur: Dr. Rafael Baecke r: Zur Frage der Mischehe in der Verwandtschaft, 1923; Max Birnbau m: Ist jüdische Bevölkerungspolitik in Deutschland möglich? 1930; Dr. Artur Czellitzer: Zum Bevölkerungsproblem der Juden in Deutschland, 1928; Dr. Leo Goldhammer: Die Juden Wiens, 1927; Professor Dr. W. Hanauer: Die Mischehe, 1929; J. Koralnik: Zum Bevölkerungsproblem der Juden Deutschlands, 1928; R. E. May, Mischehen und Ehescheidungen, 1929; Dr. Felix A. Thei 1h a b e r: Bevölkerungsproblematische Phantasien, 1928.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.