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Menorah · 1930-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1930) · p. Seite 283

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Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1930)
Article
Die Mischehe
Date
1930-05-01
Page
Seite 283 (sequence 5)
Language
German
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DIE MISCHEHE 283 scheinen, die zur Zeit der Eheschließung verschiedener Religion waren. Nicht selten kommt es aber vor, daß der eine Teil vor der Eheschließung die Religion des anderen Teiles annimmt. Nun ist erfahrungsgemäß der jüdische Partner der nachgiebigere, indem er den Glauben des anderen Partners annimmt. Ist schon die aufgezeigte Tendenz stetigen A n w a c h s e n s der Mischehen, die zur alltäglichen Form der ehelichen Bindung im jüdischen Leben geworden ist. geeignet, Unruhe in jedem bewußten Juden hervorzurufen, so müssen die W i r k u n g e n dieser Erscheinung noch mehr zum Nachdenken darüber anregen, welche Maßnahmen möglich wären, um gegen diese immer anschwellende Art des Abbröcklungsprozesses einen Damm für die Zukunft aufzurichten. Kann ohneweilers festgestellt werden, daß jeder, der eine Mischehe eingeht, frei von religiösen Bedenken ist. daß also eines der wichtigsten, noch immer wirksamen Mittel des Verknüpltseins mit der jüdischen Gemeinschaft in Wegfall kommt, so schließt die Arischehe noch eine Reihe anderer Momente in sich, die das Weiterschreiten des Abbröcklungsprozesses fördern. Zunächst bedeutet die Mischehe eine L o c k e r u n g der von den Juden allgemein gerühmten, allen Opfern gewachsenen A nh ä n g 1 i c h k e i t an die F a m i l i e. die mit den Bestand' der jüdischen Gemeinschaft gewährleistet hat. Jeder, der eine Mischehe schließen will, muß auch noch heute vielfach mit den Familienangehörigen einen Kampf bestehen, bevor sich diese mit seinem Entschluß abfinden. Droht dann die Ehe in Brüche zu gehen. entstehen Mißstimmigkeilen und schärfere Gegensätzlichkeiten, so kommen die Partner leichter über dieselben hinweg, wenn die Beziehungen zu den Angehörigen und Freunden noch aufrecht gute sind, da diese sich dann verpflichtet fühlen, die entstandenen Risse zu kitten, die Wege von den Fnebenheilen zu befreien und insbesondere bei den Eltern den Einfluß dahin geltend zu machen, -daß mit Rücksicht insbesondere auf das Glück der der Ehe entstammenden Kinder eine Versöhnung erfolgl. Dieser v e rsöhnende Einfluß der Familie und Freunde, fehlt bei der Mischehe, die in der Regel eine starke E n. t f r e m d u n ur v o m j ü d i s c h o n Milieu zur Folge hat. Daher auch die erstaunlich hohe Zahl der S c h e i d u n g e n v o n M i s c h e h e n. weitaus höher als von rein jüdischen Ehen. So wurden in Berlin hei der Volkszählung 1900 auf 1000 festgestellte Ehen in dein Durchschnitt der Jahre 1900/1901 geschieden: Bei rein jüdischen Ehen..... 2;,>9 .. evangelisch-jüdischen Ehen . . l:'»f> .. katholisch-jüdischen Ehen . . . :\\> .. jüdisch-evangelischen Ehen . . K'-lo jüdisch-katholischen Ehen . . . Die S c h e i d u n g s h ä u f i g k e i t war also am g r ö ß t e n. wenn der Ehegatte j ü d i s c h er R e 1 i g i o n war. Da die Zahl der jüdischen Männer, die eine Mischehe eingehen, um beinahe 40'^ höher ist als die der jüdischen Frauen, so bedeutet diese Tatsache nichts anderes, als daß nur mehr 72% der überhaupt heiratenden jüdischen Männer für jüdische Mädchen in Frage kommen, mit anderen Worten: 2H% aller jüdischen heiratsfähigen Mädchen sind gezwungen, entweder überhaupt ledig zu bleiben oder gleichfalls eine Mischehe einzugehen. Je religiöser der Mensch ist. desto weniger kann er sich entschließen, in der Ehe Präventivmittel zu gebrauchen. Mit dem Schwinden des religiösen Gefühls nimmt daher auch <lie Zahl der Kinder ab. 11 a n a u e r* berechnet in D e u t s c h 1 a n <1 für die Jahre 19IM bis 1909: Bei rein jüdischen Familien . . 2'5 Kinder .. christlich-jüdischen Familien P5 rein katholischen Familien . fr'2 katholisch-evangelischen Familien ........2*5 * Es soll hier nickt unerwähnt bleiben, dm:. Prof. Hanauer den. interessanten Versuch, gemacht hat, in Frankfurt a. M. durch die rEhevernn'ttlungsstelle" der Abnahme der jüdischen Eheschlieiiung-en und Zunahme der Mischehen zn steuern.

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