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Menorah · 1930-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1930) · p. Seite 256

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1930)
Article
Die Stadt der Toten
Date
1930-05-01
Page
Seite 256 (sequence 16)
Language
German
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256 MENORAH Jetzt hat endlich das sonderbare Menschenspielzeug alle seine Rädchen gezeigt! Alle Rädchen mit ihrem Mechanismus und wirrem Drehen! Das Menschlein, das starr und bitter auf die Grabsteine seiner Lieben sinkt, hat große Angst vor Weh und Schande, fiebrische Angst vor Weh und Schande — und quält und martert und schändet in selbstvergessender Lust. Die Rädchen sausen, die Zähnchen fassen — und das Menschlein tanzt, das Menschlein tanzt... tanzt! „Mutter! — Mutter! . . Autorisierte Übersetzung aus dem Jiddischen von Siegfried Schinitz J^lose und das BScholien Eine Legende Als Mose die Herden Jitros hütete am Rand der Wüste, da geschah es eines Tages, daß ein junges Böckchen ihm entlief und in kecken Sprüngen gegen die Wüste fuhr. Sogleich eilte Mose nach, es zu fangen., aber er konnte es nicht erreichen, und die Sprünge des Tierchens schienen ihn zu verspotten. Immer weiter ging die Jagd über Sand und Stein, zu beiden Seiten dehnte sich mehr die heiße, grelle Öde der Wüste. Da ergrimmte Mose über die Mühsal der nutzlosen Verfolgung und schwor in jähem Zorn: „Fürwahr, wenn ich dich ergreife, so sollst du deine Bosheit hart büßen.'' Doch auf einmal stand das Böckchen still. Da ging Mose in Bogen, es zu überlisten und im Rücken zu überfallen und seinen Grimm über es auszugießen. Ah er aber nah hinzukam, siehe, da floß aus Sand und Gestein ein helles Wasser und das Böckchen stand und trank daraus in großen Zügen. Da sänftigte sich Moses Gemüt und er sprach: „Hätte ich gewußt, daß du des Durstes wegen mir entlaufen bist, so hätte ich mich nicht erzürnt, denn ich weiß wohl, der Durst brennt rauh und böse.(< Und er stand und wartete, bis das Böckchen getrunken hatte, danach nahm er es auf seinen Arm und trug es zurück zur Herde. Da der Heilige, gelobt sei er, dies sah, sprach er: dieser Mann weiß die Seele seines Tieres, und er kennt Zorn und Erbarmen. Fürwahr, ich will ihm meine Herde geben zu weiden, mein Volk Israel. Nacherzählt von Else Schubert-ChristaUer.

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