Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1930)
- Article
- Die Stadt der Toten
- Date
- 1930-05-01
- Page
- 241 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE STADT DERTOTEN Von L. Schapiro In der Tütenstadt herrscht stets friedlich-weiche Stille. Die einst Menschen waren und jetzt ihr Gezelt hier aufgeschlagen haben, sie haben dort unten, in der Stadt der Lebenden, nie jene glückliche Ruhe und milde Stille gefühlt, die sie jetzt genießen — auch die Glücklichsten unter ihnen kennen diese gute Stille erst jetzt. So werfen sie denn ihre Körper von sich wie schwere drückende Kleider und bergen sie unter Grabsteinen. Frei und leicht erheben sich die Seelen aus den Gräbern, schweben glücklich über dem heiligen Ort ihrer ewigen Ruhe und besehen ihr Reich. Ihr Blick aber schweift gern über ihr Reich hinaus. Wenn er sich nach Norden wendet, ersieht er träumerisch wogende Kornfelder, umgoldet von kosenden Sonnenstrahlen. Im Westen, jenseits der staubigen Landstraße, blinzeln ein paar schläfrige Bauernhäuschen ins Sonnenlicht; hinter ihnen träumen wieder Felder den Traum ihrer Fruchtbarkeit. Ostwärts wiegt sich am Fuße des zackig-steilen lehmgelben Berghanges das träge Wasser des Flusses. Sein Gegenufer umzittern schlanke, schwanke Weiden und streben vom Ufer fort dem Gipfel eines Hügels zu. Von der Südseite aber wenden die Seelen unwillig den Blick: denn im Tal breitet sich unter einer grauen Nebeldecke — die Stadt der Lebenden, ihr einstiger Wohnsitz.. . Ihre neuen Wohnungen stehen in langen Reihen, mit naiver, doch