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Menorah · 1930-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1930) · p. Seite 220

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1930)
Article
Abrahams Sendung
Date
1930-05-01
Page
Seite 220 (sequence 2)
Language
German
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220 MENORAH Unschuld — so ganz ihr anvertraut löschte in ihr die Erinnerung an alle Qualen, die sie um ihn gelitten — es blieb nur die Seligkeit, ihn. zu haben. Aber diese glückliche Zeit mußte enden, denn die wenigen Vorräte, die die Frau mitgebracht hatle. waren bald verbraucht und was sollte werden, wenn sie für sich und das Kind keine Nahrung mehr hatte? Jetzt, nachdem das Schwerste überwunden, schien es ihr, als ob der Weg von ihrem Hause bi> zur Höhle nicht gar so weit sein könnte rasch wollte sie heimgehen und neue Vorräte holen und dann mit dem Kleinen in der Einsamkeit ungestört wieder eine Weile weiterleben. So wie sie diesen Ausweg erdacht, streifte sie ihr Obergewand von den Schullern, wickelte das Kind hinein, küßte seine weichen, narbenlosen Lippen und bettele es mit sanften Händen auf dem Boden der Grotte. ..Eine . Weile nur, mein Kleines, dann bin ich wieder bei dir." Es war der Gedanke, mit dem sie sich selbst Mut zusprach, nenn der Abschied war bitter schwer. Dunkle Ahnungen bedrückten ihr das Herz, und immer noch einmal mußte sie umkehren, dein Kinde zulächeln und seilen, daß es in seinem Schlupfwinkel ganz behaglich lag. Als die Frau das Haus des The räch endlich erreichte, konnte sie all seine Fragen, die erforschen wollten, wo sie die Zeit über gewesen, nicht mehr beantworten. Fieber verdunkelte ihren Sinn, ihre Kraft war erloschen, und bewußtlos auf das Lager gestreckt, merkle sie nicht, wie die Zeit hinglitt. Indessen lag der Kleine in der Höhle. Zuerst spürte er seine Verlassenheit nicht: aber als die Stunden verrannen und die durstigen Lippen nach Nahrung verlangten. --- als sie suchten, ohne zu linden, da war die Höhle bald von kläglichem Weinen erfüllt. Ganz allein! Ganz verlassen! Da plötzlich war der dunkle Raum in Licht getaucht und eine hohe, weiße Gestalt beugte sich über das Kind. Eine Engelshund strich über die brennenden Augen und machte sie kühl, und die durstigen Lippen fingen an. in neuer Erwartung zu suchen. War er wieder nahe, der Quell, aus dem sonst immer Nahrung sprang? Es schob sich etwas zwischen die Lippen des Kindes und gleich begann das Kleine mit aller Kraft zu saugen. Dann kam ein Schmatzen zwischen den Zügen — ach, gerade so wie früher floß der Quell! Aus dein Finger des Erzengels Gabriel strömte süß die Milch, labte das Verlassene und erfüllte es mit übermenschlicher Kraft und Weisheit. Nun brauchte es nicht mehr Not zu leiden. Nach ein paar Tagen ging es umher, wurde größer, als Menschen sonst sind, und wußte mehr als sie vom Endlichen und Unendlichen. Eines Tages, als der Knabe an einem Flusse auf und nieder wandelte, kam der Erzengel Gabriel ihm wieder entgegen. Im Lichte des Tages war der Glanz, der von ihm ausging, so strahlend, daß Abraham in Ehrfurcht erbebte. ..Sag* mir. wer du bist!" bat er. ..Ich hin Gabriel," kam die Antwort. ..vom Vater gesandt, mit Kraft und Weisheit dich zu erfüllen, damit du imstande seiest, die Menschen glauben zu lehren." Bei diesen Worten zitterte dem Lauschenden das Herz in heiligem Verstehen, er warf sich in den Staub und beugte sein Haupt demütig zur Erde. Dann stand er auf. badete in dem Muß, und rein und stark an Körper und Seele, wandle er sich dorthin, wo Menschen wohnen, um sein Werk an ihnen zu tun. Tief im Herzen fühlte er den Vater: jeden guten, jeden aufrechten Gedanken empfand er als seine Gabe, und er ging zu den anderen, um ihnen die Gnade zu künden, die er erfahren, und sie horchen zu lehren auf die Kraft, die in ihren Herzen leide wie in seinem eignen. Aus Frieda Weißinann „Biblische Gestalten in der Legende''. .1. Kau fJmann-Y erlag, Frankfurt a M.

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