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Menorah · 1930-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1930) · p. 219

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1930)
Article
Abrahams Sendung
Date
1930-05-01
Page
219 (sequence 1)
Language
German
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ABRAHAMS SENDUNG Es wird uns erzählt, daß der Krzvaler Abraham mit großer Weisheit und Körperkrall ausgestaltet war: gewachsen wie ein Kiese, gülig wie ein Engel, so war Ahraham, unser Vater. Ihm, wie jedem Wesen, waren die (iahen zugeteilt nach der ihm bestimmten Lebensaufgabe. Von der ersten Minute, da er hier atmete, ja, noch bevor er ins Lehen eintrat, zum Führer der Menge ausersehen, mutfte er den anderen weil überlegen sein, um erfüllen zu können, wozu er erwähll worden. Damals war Nimrod der mächtigste unter den Königen. Er hatte das Fellgewand geerbt, das Adam nach der Vertreibung aus dem Paradies gelragen. Alle Tiere, die kleinen und die großen, hatten, auch nachdem die Tore von Eden hinter ihnen zugefallen. Adam als Herrn anerkannt, und wer nach seinem Tode jemals in den Besitz des Fellgewandes gekommen, halte ihnen dann auch als Herr gegolten. Jetzt herrschte Nimrod über sie. Wenn er zur Jagd ging, war seine Heule immer beträchtlicher als alles, was seine Begleiter gemeinsam erjagten, und wenn auch die wildesten Tiere freiwillig ihm sich ergaben, wuchs der Ruhm des Nimrod doch unaufhörlich, gerade als ob er seiner Tapferkeit alles zu verdanken halte. Mitten im Glänze aber quälte den König eine Angst. Er verstand, in den Sternen zu lesen und halle so erfahren, daß einer kommen würde, der, größer als er, seinen Ruhm verdunkeln sollte. Diese Aussicht brannte in seinem ehrgeizigen Herzen und ließ ihn nicht zur Ruhe kommen. Endlich, als er keinen anderen Ausweg mehr sah. gab er auf den Rat seiner Freunde Befehl, es sollten von nun an alle neugeborenen Knaben getölel werden. Wohl erkannte er, daß dies nur eine kleine Hilfe sein konnte, denn ob das Schicksal in einem der schon Lebenden auf ihn zukam oder in einem, der erst zum Leben erwachen würde, das hatten die Sterne ihn nicht erkennen lassen. Xu jener Zeil erwartete die Frau des Fürsten Therach, der an Nimrods Hof lebte, ein Kind. Glückselig in dieser Hoffnung und gleichzeitig voll Kummer glitten ihr die Tage hin. und wenn sie oftmals ganz: versunken war in lieble Träume, fiel mit linslerer Gewalt die Frage in ihr Herz: „Wie, wenn es ein Knabe ist*?" Hin- und hergeworfen von diesen Ängsten, faßte sie zulelzl den Entschui». ihr Haus heimlich zu verlassen. Keinem durfte sie sieh anvertrauen, nicht einmal ihrem Galleu: denn Therach war dem König als Vasall zu Treue verpflichtet und hätte, wenn >ie ihn zum Mitwisser ihres Vorhabens machte, entweder sie an den königlichen Freund oder den Freund um ihretwillen verraten müssen. Damit alle diese. Not ihm erspart bliebe, nahm sie in ihren stillsten Gedanken Abschied von ihm und begab sieh auf die Wanderschaft. Bei Beginn des Weges ahnte sie nicht, was sie auf sich genommen sie, eine zarte, behütete Frau, die nie gelernt hatte, ohne Führer zu gehen. Sie wanderte mit der Sonne, immer mit der Sonne. End wenn die brennenden Füße sie nicht mehr tragen wollten, hob sie ihren Blick dem hellen Gestirn entgegen, um sein Leuchten in sich hineinzutrhikcn und zu fühlen, wie das Leben, das in ihr wuchs, daran erstarkte. ..Licht soll es sein, für dich, mein Kind", flüsterten ihre Lippen, die heil,! und Irocken waren vom Wüstenwind. Dann schlug ihr das Herz rascher in erwartungsvoller Freude und für eine Weile spürte sie kein Ermatten. Bis endlich ihre Kraft doch versagte und sie sich mühselig in eine Höhle schleppte, die. dunkel und zerklüftet, für sie dennoch barmherzig am Wege lag. In dieser Höhle gebar sie das Kind, einen Knaben. Sie hielt ihn im Arm und seine hilflose

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