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Menorah · 1930-03-01 · Heft 3-4 (März 1930) · p. Seite 180

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 3-4 (März 1930)
Article
Das Wunder
Date
1930-03-01
Page
Seite 180 (sequence 2)
Language
German
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180 MENORAH so," predigte die Großmutter, „bei uns muß alles anders sein als bei anderen Leuten. Alle die alten Menschen hier im Dorf brauchen weder die Post noch die Eisenbahn, keinen Doktor und weiß Gott was noch — nur wir brauchen das alles!" .. . „Weil unsere Kinder" — die Großmutter ahmte wieder die älteste Tochter nach — gottlob die Mittel dazu haben." ... ,*Und w,cnn wir einen schlechten Magen haben, so gnügt nicht eine Knofelsuppe, der Professor aus Prag muß dazu geholt werden! Und wenn wir auch wollen, so dürfen wir doch nicht dort in Ruhe leben, w-o wir das ganze Leben gelebt haben; wir müssen zu den Kindern in die Stadt ziehen!" Die Großmutter redete sich wie gewöhnlich in solchen Zorn, daß sie sich verschluckte. „Es ist schon einmal bei uns der Brauch, daß die Kinder, wenn es ihnen in der Stadt gut geht, die Eltern bei sich haben wollen", erklärte der Großvater. „Und den Kindern anderer Eltern geht es in der Stadt nicht gut? Wie viele Kinder aus unserem Dorf leben in Städten in besten Stellungen, und es fällt diesen Kindern doch nicht ein, ihre alten Eltern aus dem Dorf, in dem sie das ganze Leben verbracht haben, zu sich in die Stadt zu holen. Aber bei uns gibt's eben nur Faxen und Flausen. Uns fragt niemand: Vater, Mutter, willst du oder wallst du nicht? Was werd' ich dort anfangen?" jammerte die Großmutter, „ich wrerde mich ja zu Tode grämen!" „Keine Ahnung," beschwichtigte der Großvater, „du wirst dich dort unterhalten, auf andere Gedanken kommen, wir werden miteinander spazieren gehen!" .. . „Wozu werden wir spazieren gehen?" fuhr ihn die Großmutter an, „bin ich denn eine Schlampe, daß ich zwecklos in Königgrätz am Platz herumziehe? Was würden die Leute von mir denken? Kannst dir eine andere suchen, die mit dir spazieren geht. Ich bin ein anständiges Frauenzimmer, merk5 dir's." „Dann werden wir eben nicht spazieren gehen, werden ins Kaffeehaus gehen", lenkte der Großvater ein. Die Großmutter lächelte verächtlich. „Ich stehe nicht an um dein Kaffeehaus! Ich koch' mir zu Hause einen besseren Kaffee, als man in deinem Kaffeehaus kocht." „Glaubst du denn, daß die Menschen nur des Kaffees halber ins Kaffeehaus gehen?" belehrte der Großvater, „da irrst du dich gründlich, mein liebes Mädel." „Was würde man sonst dort tun?" fragte die Großmutter. „Ich kann dort ,Pillar' spielen", prahlte der Großvater.

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