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Menorah · 1930-03-01 · Heft 3-4 (März 1930) · p. Seite 171

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 3-4 (März 1930)
Article
Die neue Synagoge in Amsterdam-Ost
Date
1930-03-01
Page
Seite 171 (sequence 7)
Language
German
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DIE NEUE SYNAGOGE AMSTERDAM-OST 171 Aucli im Innern kehren die aus gelbem Backstein gemeißelten Sätze in stilisierten hebräischen Leitern als Friesverzierungen wieder. Die jüdischen Schriftcharaktere, die bei vielen alten Texten in großer dekorativer Schönheit auftreten, haben im 19. Jarhundert in den zahlreichen damals herausgekommenen Drucken einen wesentlichen formalen Rückschlag erlitten. (Anders in unserem Tempel,) Hier sind die tief ansgebauenen Lettern zwar nur wenig gefärbt, aber sie erhalten durch ihre Schatten Relief und Lesbarkeit. Dadurch wird nicht nur verhütet, daß sie monoton wirken, sondern auch daß sie im gelesen bleiben. Denn nun begibt sich folgendes: die Morgensonne läßt die eine Seite der Buchstaben, die Mittagssonne die andere schärfer hervortreten, die künstliche Beleuchtung erzeugt wieder einen anderen Schattenfall, man erhält den Eindruck einer beweglichen Lebendigkeit, die auch die dekorativen Eigenschaften der schönen Charaktere wirksam unterstützt. Das System des Flächendekors folgt sowohl dem Pentagramm wie auch dem sechseckigen Stern, dem Mögen Dowid". Aber er wird hier nicht in streng geometrischer Form verwendet. Denn wenn er auch ein jüdisches Zeichen ist. kann man ihm, auf Grund der historischen Überlieferung, doch nicht auch die Bedeutung eines mächtigen Symbols beimessen. Auf dem farbigen Fenster der Eingangstür findet man den Bibelspruch: „Wie schön sind Deine Zelte, Jaakob, Deine Wohnungen. Israel!" Wiewohl dieser Spruch schon bei seinem Ursprung mehr sinnbildlich als wörtlich aufzufassen sein mag, möchte man ihn doch auch in diesem Sinne auf ein neues Gotteshaus anwenden. Denn auch dieses soll durch Einheit von Raum, Form, Linie und Farbe — außen und innen — seiner zugleich erhabenen und demütigen Aufgabe würdig sein'*. iVlan wird diese Ausführungen — wie letzthin die eines zweiten holländischen und eines Wiener Architekten — mit besonderer Aufmerksamkeit durchnehmen müssen. Denn hier steht das Wort für das Werk, ist abgeschöpft von der Arbeit und gewahrt deshalb —- wie ungefähr es auch klingen mag — tiefere Einsicht in die Sache und ihr Wesen, als die schönsten Worte begabter Literaten es vermögen. Die Sprache des Künstlers ist wie die seines Landsmannes: schlicht, stark und so klar, daß sie selbst das Religiöse auf eine rationale Art erörtert. Und mit allen diesen Eigenschaften ist sie auch schon die Sprache des Bauwerkes, auf das sie abzielt.

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